Brief des Vorstandsvorsitzenden

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre

nach einem Jahr, in dem MorphoSys die Umsetzung seiner Firmenstrategie konsequent weiter vorangetrieben hat, freut es mich, Ihnen unseren Geschäftsbericht 2008 überreichen zu dürfen.

In 2008 hat sich unser Kerngeschäft einmal mehr als die Triebfeder des Unternehmens erwiesen. Unsere Allianz mit Novartis entwickelt sich gut und hat ihren sehr positiven finanziellen Einfluss weiter entfaltet. Bislang wurden zwei Entwicklungen innerhalb dieser Zusammenarbeit öffentlich sichtbar. Zum einen wird der erste therapeutische Antikörper aus der Kooperation, BHQ 880, nun in einer klinischen Studie der Phase 1b /2a an Krebspatienten getestet. Zum anderen haben wir einen ersten therapeutischen Entwicklungskandidaten identifiziert, den wir gemeinsam mit Novartis entwickeln wollen. Dies sind lediglich zwei Beispiele für die zahlreichen positiven Entwicklungen innerhalb dieser Kooperation. Zum Jahresbeginn 2009 wurde das durch Novartis finanzierte Team an MorphoSys-Wissenschaftlern erneut ausgebaut. Neben der engen Zusammenarbeit mit Novartis konnten wir auch zahlreiche andere Geschäftsbeziehungen mit unseren bestehenden Partnern verlängern. Im Jahr 2008 standen fünf Partnerunternehmen vor der Wahl, die Zusammenarbeit mit uns entweder beizulegen oder zu verlängern. Ausnahmslos fiel diese Entscheidung zugunsten einer Vertragsverlängerung, und Astellas, Boehringer Ingelheim, Daiichi Sankyo, OncoMed und Shionogi nutzen nun weiterhin unsere Technologien zur Forschung und Medikamentenentwicklung.

Die finanzielle Stärke, die uns unser Geschäftsmodell verleiht, gibt uns Planungssicherheit und macht uns weitestgehend immun gegen die durch die Finanzkrise ausgelösten Turbulenzen. Sie ermöglicht es uns darüber hinaus, zusätzliche Werte für unsere Aktionäre zu schaffen in einer Zeit, in der die Mehrzahl der Biotechnologieunternehmen aus Kostengründen Forschungspläne kürzen muss. Aus der relativen Finanzschwäche der Biotechnologiebranche entstehen so auch interessante Möglichkeiten für Firmen wie uns, die in einer starken Position sind. Der Wert unserer Firma wird in Zukunft zunehmend mit dem Wert der firmeneigenen Pipeline anwachsen. Wie geplant haben wir in 2008 unser Leitprodukt MOR103 durch die erste Phase der klinischen Entwicklung gebracht; die Studienergebnisse werden wir im zweiten Quartal 2009 präsentieren. Das nächste Etappenziel für dieses Projekt ist der Start einer Phase-2-Studie in der zweiten Jahreshälfte. Wenn belastbare Daten für die Wirksamkeit des Medikaments im Patienten vorliegen, wollen wir dieses Programm an einen finanzstarken und von Antikörpern überzeugten Pharma-Partner auslizensieren. Eine solche Partnerschaft wäre eine neue und sehr lukrative Form der Wertschöpfung für unser Unternehmen. Für eine solche Auslizensierung ist es entscheidend, ein attraktives Paket an wissenschaftlichen und medizinischen Daten zur möglichen Wirksamkeit und kommerziellen Fakten zur wirtschaftlichen Perspektive des Programms zu schnüren.

In Hinblick auf die Weiterentwicklung unserer Technologie stand das Jahr 2009 ganz im Zeichen von HuCAL PLATINUM, der leistungsstärksten Version unserer Antikörperbibliotheken, die wir im Dezember präsentiert haben. Die Vorgängerversion HuCAL GOLD war und ist ein sehr erfolgreiches Werkzeug zur Medikamentenentwicklung. Durch unsere Partnerschaften mit Pharmakonzernen haben wir diese Generation unserer Technologie erfolgreich kommerzialisiert und bis heute mehr als 200 Mio. € durch Lizenzzahlungen, Meilensteine und Forschungsleistungen erwirtschaftet. Diese Summe wird natürlich noch weit in den Schatten gestellt, wenn man bedenkt, dass wir in Zukunft am Umsatz aller HuCAL GOLD-basierten Antikörpermedikamente beteiligt sein werden. HuCAL PLATINUM bewahrt die guten Aspekte seines Vorgängers und wurde rundum verbessert. Es ist eine perfektionierte Version unserer Antikörperbibliothek und sie wird die Basis unserer zukünftigen Medikamentenentwicklung bilden. Eine weitere wichtige Weichenstellung haben wir durch die Berufung eines Entwicklungsvorstands in Person von Dr. Arndt Schottelius vorgenommen. Sein Erfahrungsschatz im Bereich der Entwicklung von Arzneimitteln insbesondere aus seiner Zeit bei dem führenden US-Biotechnologiekonzern Genentech wird uns beim Ausbau unserer firmeneigenen Pipeline unterstützen. Ich bin hoch erfreut, dass wir eine solch erfahrene Person für den Ausbau unserer Medikamentenentwicklung gewinnen konnten. Dies spricht für die Attraktivität von MorphoSys und unser Ansehen in der Industrie.

Unser Segment für Forschungsantikörper AbD Serotec hat trotz nachteiliger Wechselkurseffekte und einer notwendigen Abschreibung auf ein Firmengrundstück erstmals ein profitables Ergebnis ausgewiesen. Auf der Umsatzseite blieb die Entwicklung hinter unseren Erwartungen zurück. Der Markt für Forschungsantikörper zeigt derzeit nicht mehr die Dynamik der vergangenen Jahre, da öffentliche und private Forschungsbudgets derzeit nicht weiter wachsen. MorphoSys konnte jedoch durch die Sparte neue Kunden in der Diagnostik-Industrie gewinnen, ein Bereich der Gesundheitsbranche, den wir als zunehmend interessant erachten. Wir erwarten, dass sich dieser Trend in 2009 weiter fortsetzen und das Segment wieder zum Umsatzwachstum zurückkehren wird.

Auf Konzernebene konnten wir die starke finanzielle Performance der letzen Jahre wiederholen und, noch entscheidender, die Investitionen in unsere firmeneigene Pipeline weiter steigern. Der Konzernumsatz erreichte 71,6 Mio. € und der operative Gewinn 16,4 Mio. € – beides Rekordmarken für MorphoSys. Insgesamt präsentiert sich das Unternehmen mit seinen sicheren Mittelzuflüssen und seiner starken Bilanz in einer besseren Verfassung als je zuvor. Basierend auf dieser sehr gesunden finanziellen Situation planen wir, im nächsten Jahr den Ausbau unserer firmeneigenen Medikamentenentwicklung zu beschleunigen und 18–20 Mio. € in diesen Teil unserer Forschung als wichtigen zukünftigen Werttreiber zu investieren. Unser Aktienkurs hat in Zeiten der Finanzkrise eine bemerkenswerte Stabilität bewiesen. Am letzten Handelstag des Börsenjahres 2008 lag die Aktie um 16 % über dem Kurs des Vorjahres, während der Technologieindex TecDAX der Frankfurter Börse auf Jahressicht 48 % an Wert verlor.

Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr den gesteckten Kurs erfolgreich weiter verfolgt und blicken mit Zuversicht in die Zukunft. Ich bedanke mich bei allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit für ihren beeindruckenden Einsatz, ihre Zuversicht und ihre Kreativität. Mein besonderer Dank gilt Ihnen, unseren Aktionärinnen und Aktionären, für Ihr Vertrauen in unser Unternehmen. Gemeinsam mit Ihnen wünsche ich unserem Unternehmen ein noch erfolgreicheres Jahr 2009.

Dr. Simon E. Moroney
Vorstandsvorsitzender
München, März 2009