Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Wirtschaftliche Entwicklung

Im Jahr 2008 wuchs das weltweite Bruttoinlandsprodukt den neuesten Prognosen zufolge um 2,5 %. In den USA führten die anhaltende Krise im Immobilienmarkt, rückläufige Investitionsausgaben und der schwache private Konsum zu einer nahezu stagnierenden Inlandsnachfrage. Exporte hingegen nahmen aufgrund des schwachen US-Dollar-Kurses deutlich zu.

In der Eurozone hat sich die Konjunktur ebenfalls eingetrübt. Nach einem guten Start in das Jahr 2008 schwächte sich das Wirtschaftswachstum im weiteren Jahresverlauf auf insgesamt knapp 1,2 % ab. Die deutsche Wirtschaft zeigte sich in einer leicht besseren Verfassung. Die höhere Inflation dämpfte zwar den privaten Verbrauch, die Investitionsausgaben und die Exporte legten jedoch geringfügig zu.

Entwicklung der Pharma- und Biotechnologiebranche

Nach Angaben des Marktforschungsinstituts IMS Health belief sich das weltweite Wachstum der Pharmabranche auf 5 %. Im Jahresverlauf 2008 haben sich die wesentlichen Herausforderungen für die Pharmaindustrie nicht verändert: Pipeline- und Preisdruck, behördliche Auflagen, auslaufender Patentschutz und als Folge der Markteintritt von Generika und Biogenerika* sind unverändert die größten Herausforderungen, denen sich die Branche ausgesetzt sieht. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Pharmaindustrie verstärkt bemühen wird, ihre Pipelines wieder mit innovativen Therapien zu füllen und zu stärken, um den Herausforderungen begegnen zu können.

Wie in den meisten Branchen waren im Gesundheitssektor die Auswirkungen der Finanzkrise und der Einfluss der US-Regierung die wesentlichen Diskussionspunkte im Jahr 2008.

Die erste Reaktion vieler Pharmaunternehmen auf die finanzielle Krise war Personalabbau. Maßnahmen zum Wiederauffüllen der Medikamentenpipeline – wie etwa Kooperations- und Einlizenzierungsvereinbarungen sowie Übernahmen und Fusionen – waren bisher nicht negativ beeinflusst. Nach einer von der WestLB durchgeführten Untersuchung kam es in der Branche im Jahr 2008 zu mehr als 140 Übernahmen und Fusionen. Mit 30 größeren Transaktionen bewegten sich die M&A-Aktivitäten* auf dem Niveau des Jahres 2007, wäh rend sich das durchschnittliche Transaktionsvolumen in 2008 im Vergleich zum Vorjahr sogar erhöhte.

Wie in den beiden vorangegangenen Jahren standen in 2008 therapeutische Antikörper im Pharmasektor erneut im Zentrum des Interesses, wie mehrere Übernahmen von Antikörper herstellenden Biotechnologieunternehmen durch große Pharmakonzerne und umfangreiche strategische Transaktionen zeigen. Zunächst erwarb der Pharmakonzern Eli Lilly in einer Übernahme in bar das Biotechnologieunternehmen ImClone, wobei sie den Hersteller von Antikörpermedikamenten mit rund 6,5 Mrd. US$ bewertete. Der Schweizer Pharmakonzern Roche entschloss sich zur vollständigen Übernahme von Genentech, wobei er zunächst 42,5 Mrd. US$ für die ausstehenden 44 % an der US-Biotech-Gruppe bot. Diese Transaktion war, obwohl sie im Verlauf des Jahres nicht zum Abschluss gebracht wurde, die größte M&A-Transaktion des Jahres 2008 im Gesundheitssektor. In Deutschland erwarb das japanische Pharmaunternehmen Daiichi Sankyo für 150 Mio. € das in München ansässige Antikörperunternehmen U3 Pharma.

„Die derzeit zugelassenen 22 therapeutischen Antikörper erwirtschafteten in 2008 Umsatzerlöse von insgesamt rund 30 Mrd. US$ weltweit.“

Daneben verzeichnete die Branche eine Vielzahl an antikörperbezogenen Allianzen und produktbezogenen Lizenzabkommen wie den Vertrag von Sanofi-Aventis mit Dyax Corp., die Partnerschaft zwischen PDL Biopharma und Bristol-Myers Squibb zur gemeinschaftlichen Entwicklung eines Antikörpers gegen das multiple Myelom, die Allianz von ThromboGenics und BioInvent mit Roche zur Entwicklung eines Krebs-Antikörpers und den Vertrag von NycoMed und Immunomedics zur Entwicklung eines humanisierten Anti-CD20-Antikörpers gegen rheumatoide Arthritis.

Ende 2008 lag die Zahl der am Markt zugelassenen therapeutischen Antikörper mit 22 höher als im Vorjahr, wobei im Laufe des Jahres mit Cimzia® von UCB Pharma eine neue antikörperbasierte Behandlungsmethode zur Therapie von Morbus Crohn* die Zulassung durch die US-Arzneimittelaufsicht FDA erhielt. Weitere Produkte einschließlich des therapeutischen Antikörpers Denosumab® von Amgen, mit potenziellem Blockbuster-Status, könnten im Jahr 2009 auf den Markt kommen.

Die derzeit zugelassenen 22 therapeutischen Antikörper erwirtschafteten in 2008 Umsatzerlöse von insgesamt rund 30 Mrd. US$; dieser Bereich stellte mit einem soliden Umsatzanstieg von 14 % gegenüber dem Vorjahr den am schnellsten wachsenden Bereich innerhalb des Pharmasektors dar. Zu diesem Wachstum trugen unter anderem die Umsatzbelebung bei den zugelassenen Antikörpern und die Ausweitung bestehender Antikörpertherapien auf Krebs- und entzündliche Erkrankungen bei.

Umsatzentwicklung der zugelassenen therapeutischen antikörper 2007-2013 (Datamonitor, in Mrd. US$)

In Bezug auf therapeutische Antikörper in der Spätphase ihrer Entwicklung haben Elan und Wyeth nur bedingt überzeugende vorläufige Daten der Phase-2a-Erprobung von Bapineuzumab®, einem therapeutischen Antikörper zur Behandlung von Alzheimer, veröffentlicht. Der therapeutische Antikörper Denosumab® von Amgen zur Behandlung von Osteoporose* bei postmenopausalen Frauen zeigte positive Resultate in mehreren Phase-3-Studien und veranlasste Amgen, im Dezember 2008 die Marktzulassung zu beantragen.

Hingegen hat sich im Fall von Ustekinumab®, einem menschlichen monoklonalen Antikörper von Centocor, Inc. in der Phase-3 der klinischen Entwicklung zur Behandlung von leichter bis schwerer Psoriasis, die Marktzulassung deutlich verzögert, nachdem die FDA zusätzliche Daten angefordert hat.

In Bezug auf Produktsicherheit wurden im Verlauf des Jahres 2008 vier Fälle einer ernsthaften und möglicherweise tödlichen Hirnentzündung (progressive multifokale Leukoenzephalopathie – PML*) in Verbindung mit der Einnahme des zugelassenen Medikaments Tysabri® gegen multiple Sklerose und Morbus Crohn bekannt. Ein weiterer Fall von PML stand in Verbindung mit der Einnahme des zugelassenen Medikaments Raptiva® zur Behandlung von chronischer Psoriasis.

Der pharmazeutische Sektor übertraf in 2008 den Gesamtmarkt: Während der FTSE All World Index um 44 % sank, schloss der FTSE Global Pharma Index lediglich um 15 % unter dem Vorjahresniveau. Als Folge der weltweit schwierigen Verfassung der Aktienmärkte und mehrerer Rückschläge in der Life-Sciences-Branche zeigten die Aktien von Biotechnologieunternehmen im Jahr 2008 eine insgesamt negative Kursentwicklung. Der DAXsubsector Biotechnology mit seinen 14 börsennotierten deutschen Biotechnologieunternehmen sank um 17 %, während der NASDAQ Biotechnology Index um 12 % nachgab. Vor diesem Hintergrund konnte die MorphoSys-Aktie seine Mitbewerber deutlich übertreffen: Die MorphoSys-Aktie legte im Jahresverlauf um 16 % zu, während sich der TecDAX um 48 % abschwächte.