Brief des Vorstandsvorsitzenden
Das Jahr 2010 war ein äußerst erfolgreiches Jahr für MorphoSys. Wir haben in der Medikamentenentwicklung außergewöhnliche Fortschritte erzielt und konnten unsere Technologieplattform weiter ausbauen. Zusätzlich zu diesen strategischen Fortschritten erwirtschaftete die Gesellschaft ein starkes operatives Finanzergebnis. Dieser Erfolg ist ein schlagender Beweis für die Attraktivität unseres Geschäftsmodells.
Nirgends war der Fortschritt der Gesellschaft deutlicher zu erkennen als an unserer Pipeline für therapeutische Antikörper. Die Anzahl der Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung hat sich im Lauf des Jahres 2010 von acht am Jahresbeginn auf 17 am Ende des Jahres mehr als verdoppelt. Nach Beendigung der derzeit laufenden Studien werden deutlich mehr als 1.000 Patienten und Studienteilnehmer HuCAL-Antikörper erhalten haben. Dies ist nicht nur ein wunderbarer Beweis für die erfolgreiche Vermarktung unserer Technologie, sondern ruft auch den Beitrag ins Gedächtnis, den wir für die Medizin erbringen werden. Unter diesen Programmen befinden sich eine Reihe von möglichen Blockbustern für so unterschiedliche Krankheitsbereiche wie Krebs, Asthma und Alzheimer, um nur einige zu nennen.
Unser Segment Proprietary Development hat nun zwei Programme in der Klinik. Im Januar 2010 wurde der erste Patient in die klinische Studie der Phase 1b/2a für unseren am weitesten fortgeschrittenen Wirkstoff MOR103 gegen rheumatoide Arthritis aufgenommen. Wir freuen uns sehr über dieses Programm und den Abschluss der Studie in 2011. Das kommerzielle Potenzial von MOR103 vergrößerte sich im Jahresverlauf zusätzlich, da wir sehr ermutigende präklinische Daten bei multipler Sklerose erhielten. Multiple Sklerose wird unser zweiter Krankheitsbereich für die klinische Erprobung von MOR103 sein, die wir in 2011 mit einer Sicherheitsstudie der Phase 1b beginnen werden.
Im Juni 2010 haben wir unser firmeneigenes Portfolio durch die Einlizenzierung des Antikörpers MOR208 von der US-amerikanischen Firma Xencor um einen zweiten klinischen Kandidaten erweitert. Dieses Programm befindet sich gegenwärtig in der klinischen Erprobung in den Vereinigten Staaten mit einem ersten Forschungsschwerpunkt auf chronischer lymphatischer Leukämie. Diese ausgesprochen viel versprechende Ergänzung unseres Medikamentenportfolios beinhaltet eine Xencor-eigene Modifikation des Antikörpers, die eine spannende neue Behandlungsmethode für Krebs darstellen könnte.
Wir gehen davon aus, dass nach dem im Dezember 2010 erfolgten Antrag auf klinische Erprobung unser Wirkstoff MOR202 in 2011 als dritter firmeneigener Antikörper die Klinik erreichen wird. Abgerundet wird unser firmeneigenes Produktportfolio durch eine Reihe von Programmen im Forschungsstadium, durch unsere Zusammenarbeit mit Galapagos und durch zwei laufende, gemeinsam mit Novartis betriebene Entwicklungsprogramme.
Auch für das Segment Partnered Discovery verlief das Jahr sehr erfolgreich. Fünf unterschiedliche Partner haben während des Jahres 2010 nicht weniger als acht Klinikgänge beantragt. Daneben rückten zwei Partnerprogramme von der Phase 1 in Phase 2-Studien vor, wodurch die Anzahl der mit Partnern betriebenen Programme in der klinischen Phase 2-Erprobung auf insgesamt fünf stieg. Wir erwarten mit Spannung die klinischen Daten dieser Programme, von denen wir uns den eindeutigen Beweis dafür erhoffen, dass aus HuCAL-Antikörpern erfolgreiche Medikamente werden können. Insgesamt befinden sich gegenwärtig 15 Partnerprogramme in der klinischen Erprobung. Wir gehen davon aus, diese Zahl angesichts der mit präklinischen und Forschungsprogrammen reich gefüllten Pipeline noch erhöhen zu können.
Unser Erfolg steht in engem Zusammenhang mit unserer einzigartigen Technologieplattform, deren Herzstück die Antikörperbibliothek HuCAL ist. Im Jahr 2010 haben wir unseren Willen, technologisch führend zu bleiben, durch den Erwerb der Sloning BioTechnology GmbH unter Beweis gestellt. Die weltweit führende Technologie von Sloning zur Erstellung von Proteinbibliotheken haben wir umgehend in eine neue Plattform namens arYla zur Optimierung von Antikörpern integriert. Wir gehen davon aus, dass arYla durch die Erhöhung sowohl der Geschwindigkeit als auch der Erfolgsraten neue Wege bei der Optimierung von Antikörpern eröffnen wird. Von dem Erwerb von Sloning versprechen wir uns außerdem ganz neue Möglichkeiten für Partnerschaften. Ein Beleg hierfür ist der neue Lizenzvertrag mit Pfizer, den wir nur wenige Wochen nach dem Sloning-Erwerb unterzeichnet haben.
Das Segment AbD Serotec bekam die Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren, vor allem in seinem Heimatmarkt Europa. Auch wenn die Umsatzerlöse nicht in dem Maß wie ursprünglich erwartet stiegen, führten die durchgeführten strukturellen Verbesserungen doch zu einem Anstieg der operativen Gewinnmarge auf 6 %. Das Segment AbD Serotec ist für eine viel versprechende Zukunft im Diagnostikbereich, für den unsere Antikörperplattform klar differenzierte Diagnostikprodukte liefern kann, gut positioniert. Gegenwärtig laufen Kooperationen mit mehr als 20 Diagnostikunternehmen und im Jahr 2011 wird das erste diagnostische Testverfahren auf Basis eines HuCAL-Antikörpers auf dem Markt erwartet.
„Nirgends war der Fortschritt der Gesellschaft deutlicher zu erkennen als an unserer Pipeline für therapeutische Antikörper. Die Anzahl der Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung hat sich im Lauf des Jahres 2010 von acht am Jahresbeginn auf 17 am Ende des Jahres mehr als verdoppelt.“
Mit einem operativen Konzerngewinn in Höhe von 10 Millionen Euro wurden unsere Erwartungen übertroffen. Das Ergebnis ist insbesondere im Hinblick auf die darin enthaltene 37-prozentige Steigerung der firmeninternen F&E-Investitionen auf rund 27 Millionen Euro beeindruckend. Für 2011 erwarten wir eine Umsatzsteigerung von mehr als 20 % und anhaltende Profitabilität bei weiterhin starken Investitionen in die firmeneigene Forschung und Entwicklung. Die Fähigkeit, unsere Produktpipeline mit Partnern weiter auszubauen, gleichzeitig ein spannendes Portfolio an eigenen Produkten zu entwickeln und dabei anhaltend gute Finanzergebnisse zu erzielen, macht MorphoSys geradezu einzigartig in der Branche. Auch die Finanzkraft stellt einen wichtigen strategischen Aspekt für MorphoSys dar. Sowohl die Einlizenzierungs-Vereinbarung mit Xencor als auch die Akquisition von Sloning zeigen, dass die stabile bilanzielle Situation uns in die Lage versetzt, schnell handeln zu können, um bedeutende Vermögenswerte zu erwerben.
MorphoSys geht stärker als je zuvor in das Jahr 2011. Ich freue mich auf anhaltende Fortschritte in unserer Pipeline aus firmeneigenen und mit Partnern entwickelten Antikörpermedikamenten und erwarte ein Geschäftsjahr, in dem unsere Gesellschaft zum ersten Mal in ihrer Unternehmensgeschichte Umsätze von mehr als 100 Millionen Euro erwirtschaften wird. Unser Erfolg ist nur dank der intensiven Arbeit, Loyalität und Kreativität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich, denen ich meinen besonderen Dank aussprechen möchte.
Auch Ihnen, unseren Aktionärinnen und Aktionären, möchte ich für Ihre anhaltende Unterstützung danken. Gemeinsam mit Ihnen wünsche ich unserem Unternehmen ein erfolgreiches Jahr 2011.
Dr. Simon E. Moroney
Vorstandsvorsitzender
