Brief des Vorstandsvorsitzenden

das Jahr 2012 war eines der erfolgreichsten in der Geschichte von MorphoSys. Klare Fortschritte in der ­Medikamentenentwicklung waren dabei die bestimmenden Ereignisse im abgelaufenen Jahr. Deren positive Auswirkung auf unseren Aktienkurs belegt die Bedeutung dieser Entwicklungsprogramme für den Wert des Unternehmens. Unsere langfristig verfolgte Strategie, mit innovativen Technologien die Medikamente von morgen zu entwickeln, zahlt sich zunehmend aus und hat zu einer viel beachteten Wirkstoff-Pipeline ­geführt. Aus diesem Grund haben wir die Abtrennung und Veräußerung des Geschäfts für diagnostische und Forschungsantikörper AbD Serotec mit dem Ziel durchgeführt, MorphoSys gänzlich auf die immensen Chancen im therapeutischen Sektor auszurichten.

Unser firmeneigenes Medikamentenportfolio hat beachtliche und bedeutsame Fortschritte erzielt. Mit den ­positiven klinischen Daten aus der Phase-1b/2a-Studie zu MOR103 in der Indikation rheumatoide Arthritis haben wir eine solide Grundlage für eine Auslizenzierung des Präparats geschaffen. Die Qualität dieser ­Daten ist auch ein Beweis für die Fähigkeiten unserer Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Wir setzen deshalb die Entwicklung von MOR208 und MOR202 mit Hochdruck fort und wollen unsere klinische firmen­eigene Pipeline zusätzlich erweitern.

Die Fortschritte in dem mit Partnern betriebenen Teil unserer Pipeline sind ebenso vielversprechend. Insbesondere das Interesse an dem durch Roche entwickelten HuCAL-Antikörper Gantenerumab hat sich in den letzten Monaten vervielfacht. Alzheimer gilt als eine der größten medizinischen Herausforderungen, ein wirksames Präparat in diesem Krankheitsbereich hätte klares Blockbuster-Potenzial. Klinische Ergebnisse anderer Präparate in diesem Krankheitsbereich belegen, dass Roches Vorgehen, frühzeitig und mit beglei­tender Diagnostik in den Krankheitsverlauf von Alzheimer einzugreifen, einer der aussichtsreichsten therapeutischen Ansätze gegen Alzheimer ist. Als erster HuCAL-Antikörper, der in eine möglicherweise zulassungsrelevante Phase-2/3-Studie vorangeschritten ist, steht Gantenerumab derzeit an der Spitze unserer Pipeline, die aber mit weiteren neun Phase-2-Wirkstoffen auch in der Breite gut besetzt ist.

Hinsichtlich der Technologieentwicklung ist es unser Anspruch, stets die fortschrittlichsten Plattformen zur Entwicklung therapeutischer Antikörper  in unserem Portfolio zu wissen. Die jüngste Entwicklung in diesem Bereich ist unsere Antikörperbibliothek  Ylanthia, mit deren Kommerzialisierung wir im vierten Quartal 2012 begonnen haben. Es war in unserem Interesse, diese nächste Wachstumsphase mit unserem derzeit wich­tigsten Partner Novartis beginnen zu können. Unsere Zusammenarbeit, die noch mindestens bis ins Jahr 2017 andauert, hat bislang sechs Entwicklungskandidaten in der klinischen Erprobung hervorgebracht und wird auch weiterhin maßgeblich zu unserer Pipeline an therapeutischen Antikörperwirkstoffen beitragen. Wir sind der Überzeugung, diese Kooperation mithilfe der neuesten Technologien noch produktiver gestalten zu können. Ebenso wichtig war es uns, die Flexibilität zu besitzen, Ylanthia  breiter zu verpartnern; dies haben wir ebenso sichergestellt.

Unsere Fähigkeiten, hochdiverse Proteinbibliotheken zu entwerfen und zur Medikamentenentwicklung zu nutzen, eröffnen uns auch außerhalb des Markts für therapeutische Antikörper lukrative Marktchancen. Dies war der Hintergrund für eine neue Kooperation mit dem Start-Up Lanthio Pharma und der erste Schritt auf dem Weg, über Antikörper hinaus auch in anderen Substanzklassen Fuß zu fassen. Die Peptidwirkstoffe von Lanthio Pharma sind eine solche spannende neue Klasse von Wirkstoffen, deren therapeutische Einsatzmöglichkeiten die von Antikörpern sinnvoll ergänzen. Die Zusammenarbeit mit Lanthio Pharma bringt auch einen anderen neuen Aspekt für MorphoSys mit sich, da wir erstmals eine Minderheitsbeteiligung an einem anderen Unternehmen erworben haben.

Das Segment AbD Serotec sollte unsere therapeutischen Aktivitäten ergänzen und Antikörper als Forschungs- und diagnostische Werkzeuge vermarkten. Durch die Fortschritte in unserer Medikamentenentwicklung wurde uns klar, dass die Möglichkeiten, durch noch intensivere Bemühungen im therapeutischen Bereich Werte für unsere Aktionäre zu generieren, das Wertsteigerungspotenzial im Bereich Forschung und Diag­nostik übersteigen. Deshalb war die Zeit reif, die beiden Geschäftsfelder zu trennen. Der Ende 2012 bekannt gegebene Verkauf der Geschäftseinheit an den Diagnostikkonzern Bio-Rad für einen Gesamtbetrag von 53 Mio. € stellte eine finanziell attraktive Möglichkeit dar, MorphoSys mit klarem Fokus auf Therapeutika auszurichten. Gleichzeitig werden unsere bisherigen Kollegen von AbD Serotec Teil eines international aufge­stellten Forschungs- und Diagnostikkonzerns und können ihre Erfahrung und ihr Know-how dort einbringen.

„Klare Fortschritte in der Medikamentenentwicklung waren die bestimmenden Ereignisse im abgelaufenen Jahr.Unsere Strategie, mit innovativen Technologien die Medi­kamente von morgen zu ermöglichen, hat zu einer viel beachteten Wirkstoff-Pipeline geführt.“


Auch in 2012 war MorphoSys wieder in der Lage, nennenswert in seine firmeneigene Medikamentenentwicklung zu investieren und dennoch profitabel zu bleiben. Unsere finanzielle Stabilität, basierend auf einem ­Finanzmittelbestand von aktuell mehr als 180 Mio. € und profitablem Partnergeschäft, stellt weiterhin eine der größten Stärken unseres Unternehmens dar. Unsere Barmittel ermöglichen es uns, weitere strategische Transaktionen, wie den Erwerb von Firmen, Firmenbeteiligungen, Wirkstoffkandidaten und Technologien, zu verfolgen. Zeitgleich planen wir die notwendigen Investitionen in die firmeneigene Forschung und Entwicklung, um den maximalen Wert aus unseren eigenen Wirkstoffkandidaten herauszuholen.

Insgesamt gesehen war 2012 für MorphoSys ein richtungsweisendes Jahr und 2013 verspricht, noch aufregender zu werden. Die Auslizenzierung von firmeneigenen Medikamentenkandidaten wie MOR103 wird ein wichtiger Faktor sein, der unter anderem die finanzielle Performance in den nächsten Jahren maßgeblich ­beeinflussen wird. Unseren Weg hin zu einer noch stärker auf Medikamentenentwicklung ausgerichteten Organisation mit innovativen Technologien als Basis setzen wir unabhängig davon fort.

Unser Erfolg ist nur dank des großen Einsatzes, der Loyalität und der Kreativität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich, bei denen ich mich herzlich bedanken möchte. Auch Ihnen, unseren Aktionärinnen und Aktionären, danke ich für Ihre anhaltende Unterstützung. Gemeinsam mit Ihnen wünsche ich unserem Unternehmen ein erfolgreiches Jahr 2013.

Dr. Simon E. Moroney
Vorstandsvorsitzender