Risiken-und-Chancen-Bericht

MorphoSys ist Teil einer Industrie, die von stetem Wandel und Fortschritt geprägt ist. Die Herausforderungen und Chancen in der Gesundheitsindustrie werden von sehr unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Die weltweiten demografischen Veränderungen, medizinischer Fortschritt und der Wunsch nach steigender Lebensqualität in den aufstrebenden Schwellenländern bilden eine solide Wachstumsperspektive für die Pharma- und Biotechnologiebranche. Steigende regulatorische Auflagen im Bereich der Medikamentenentwicklung und insbesondere der Kostendruck auf die Gesundheitssysteme müssen jedoch ebenso berücksichtigt werden.

MorphoSys versucht, systematisch neue Chancen zu erkennen und für den Geschäftserfolg zu nutzen, um langfristig den ­Unternehmenswert zu steigern. Unternehmerischer Erfolg ist jedoch ohne das bewusste Eingehen von Risiken nicht möglich. Durch seine weltweiten Geschäftsaktivitäten ist MorphoSys einer Reihe von Risiken ausgesetzt, die sich auf den Geschäftsverlauf auswirken können. Das Risikomanagementsystem von MorphoSys hilft, die mit den strategischen Unternehmens­zielen in Zusammenhang stehenden Risiken zu bewerten. Eine ­regelmäßige Überprüfung der Strategie stellt sicher, dass ­Chancen und Risiken in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. MorphoSys geht nur dann ein Risiko ein, wenn dieses gleichzeitig die Chance bietet, den Unternehmenswert zu steigern.

Überarbeitung des Risiken-und-Chancen-Managementsystems

Im zurückliegenden Geschäftsjahr wurde das Risiken-und-Chancen-Managementsystem grundlegend überarbeitet und eine konzernweite IT-Lösung zur systematischen Analyse und Überwachung von Risiken und Chancen eingeführt. Diese IT-Lösung unterstützt alle Risikoverantwortlichen bei der Überwachung und Bewertung von Risiken und Chancen und ermöglicht deren kontinuierliche Dokumentation. Alle Risiken und Chancen werden sehr genau für einen Einjahreszeitraum bewertet. Allerdings haben viele Risiken und Chancen im Bereich der Produkt­entwicklung eher langfristige Auswirkungen, weshalb auch ein Dreijahreszeitraum betrachtet wird.

Grundlagen des Risiken-und-­Chancen-Managements

MorphoSys ist fortlaufend mit Risiken und Chancen konfrontiert. Hierbei sind sowohl materielle Auswirkungen auf die Vermögens- und Finanzlage möglich als auch ein direkter Einfluss auf immaterielle Vermögenswerte, wie z. B. das Firmenimage innerhalb der Industrie oder auch die Marke des Unternehmens.

MorphoSys definiert Risiken als interne oder externe Ereignisse, die einen unmittelbaren Einfluss auf das Unternehmen haben. Hierbei wird der potenzielle finanzielle Einfluss auf die Firmenziele bewertet. Chancen stehen in direktem Zusammenhang mit Risiken. Die Realisierung von Chancen hat einen positiven Einfluss auf die Unternehmensziele, das Eintreten von Risiken hat einen negativen Einfluss.

Verantwortlichkeiten im Risiken-und-Chancen-Managementsystem

Der Vorstand der MorphoSys AG ist für das Risiken-und-Chancen-Managementsystem verantwortlich. Er stellt sicher, dass sämtliche Chancen und Risiken umfassend dargestellt, bewertet und überwacht werden. Die Abteilung für Corporate Finance & Corporate Development koordiniert die Umsetzung der Maßnahmen und berichtet regelmäßig an den Vorstand. Der Aufsichtsrat hat den Prüfungsausschuss beauftragt, die Effektivität des Konzernrisikomanagementsystems zu überwachen. Der Prüfungsausschuss berichtet regelmäßig über die Ergebnisse an den gesamten Aufsichtsrat.

ABB. 14 /// RISIKOMANAGEMENTSYSTEM VON MORPHOSYS

Rechnungslegungsbezogenes ­internes Kontrollsystem

MorphoSys nutzt umfangreiche interne Kontrollen, konzernweite Richtlinien zur Berichterstattung sowie weitere Maßnahmen wie Mitarbeiterschulungen und fortlaufende Weiterbil­dungen mit dem Ziel, die Korrektheit der Buchhaltung und des Rechnungswesens wie auch die Zuverlässigkeit der Finanzberichterstattung im Konzernabschluss und Konzernlagebericht sicherzustellen. Dieser integrale Bestandteil der Konzernrechnungslegung setzt sich aus Präventions-, Überwachungs- und Erkennungsmaßnahmen zusammen, die dazu dienen sollen, die Sicherheit und Kontrolle im Rechnungswesen sowie in den operativen Funktionen sicherzustellen. Nähere Angaben zum internen Kontrollsystem in Bezug auf die Finanzberichterstattung sind dem Corporate-Governance-Bericht zu entnehmen.

Risiken

RISIKOMANAGEMENTSYSTEM

Das Risikomanagementsystem ist ein zentraler Bestandteil von MorphoSys’ Unternehmensführung und dient dazu, die Erfüllung gesetzlicher Vorschriften sowie der Prinzipien guter Unternehmensführung sicherzustellen.

MorphoSys hat ein umfassendes System eingerichtet, um Risiken in allen Teilen des Unternehmens erkennen, bewerten, übermitteln und bewältigen zu können. Das Risikomanagementsystem von MorphoSys identifiziert Risiken sehr früh und ermöglicht so geeignete Gegenmaßnahmen, um betriebliche Verluste zu limitieren und Risiken zu vermeiden, die die Existenz des Unternehmens gefährden könnten. Alle Maßnahmen zur Abmilderung eines Risikos werden einzelnen Risikoverantwortlichen eindeutig zugeordnet, die vorwiegend der Senior Management Group von MorphoSys angehören.

Im Rahmen eines systematischen Risikobewertungsprozesses werden alle wesentlichen Risiken hinsichtlich der verschiedenen MorphoSys-Geschäftsbereiche sowie in Bezug auf das Unternehmen als Ganzes bewertet. Solche Risikobewertungen finden zweimal jährlich statt. Risiken werden beurteilt, indem ihre quantifizierbare Auswirkung für den MorphoSys-Konzern und ihre Eintrittswahrscheinlichkeit mit und ohne Ingangsetzung eines Schadensminderungsprozesses miteinander verglichen werden. Die Methodik wird für eine Bewertungsperiode von zwölf Monaten und eine mittelfristige Sicht von drei Jahren angewandt, um Verpflichtungen aus der firmeneigenen Entwicklung mit langen Laufzeiten einzubeziehen. Eine Übersicht über die ak­tuelle Risikobewertung durch MorphoSys ist der Abbildung 15 zu entnehmen. Das Risikomanagementsystem wird turnusmäßig im Vorstand und gemeinsam mit dem Aufsichtsrat erörtert. Eine regelmäßige Prüfung durch externe Berater stellt sicher, dass das Risikomanagementsystem kontinuierlich weiterentwickelt wird, damit es möglichen Veränderungen jederzeit gerecht wird.

ABB. 15 /// DARSTELLUNG DER GRÖSSTEN RISIKEN BEI MORPHOSYS (in Punkten)

Risiko-Kategorien

MorphoSys ordnet die wichtigsten Risiken den folgenden sechs Kategorien zu.

  • Finanzielle Risiken (Risiken durch z. B. Insolvenzen, Zahlungsausfälle, geringere Zahlungen für Lizenzen, finanzierte Forschungsleistung und Meilensteine als erwartet und geplant sowie Risiken in Zusammenhang mit jeder Form von Finanzierung und Finanzierungsinstrumenten, wie beispielsweise Geldanlage, Währungen, Zinsen, Steuern und Inkasso)
  • Operative Risiken (z. B. Einkauf/Produktion, Vertrieb/Logistik, Kunden, Personal oder auch, spezifischer bei MorphoSys, Risiken aus den Ergebnissen präklinischer oder klinischer Studien)
  • Strategische Risiken (z. B. Mergers & Acquisitions, Beteiligungen, Forschung & Entwicklung, Unternehmensimage, überlegene Konkurrenzprodukte)
  • Externe Risiken (Risiken jenseits der Kontrolle des Unter­nehmens, z. B. wirtschaftliche, politische, rechtliche Risiken, ­spezifischer bei Unternehmen in der Biotech- und Pharmabranche auch Risiken beim Schutz von geistigem Eigentum oder im regulatorischen Umfeld bei der Zulassung von neuen Medikamenten)
  • Organisatorische Risiken (z. B. IT, Facility Management, Nachfolgeplanung, Unterbrechung des laufenden Betriebs, Verzögerung der Prozesse durch zu hohe Komplexität oder Quantität von Projekten)
  • Compliance-Risiken (z. B. Nichteinhaltung von Vorschriften der US-amerikanischen FDA  und der europäischen EMA, Qualitätsmanagementrichtlinien, Bilanzrichtlinien, Corporate Governance, Nichtbefolgung des deutschen Aktiengesetzes)
FINANZRISIKEN

Das Finanzrisikomanagement bei MorphoSys zielt auf die Minderung der finanziellen Risiken und einen Abgleich dieser ­Risiken mit den sich aus der Geschäftstätigkeit ergebenden Bedürfnissen ab.

Finanzrisiken können sich aus Rahmenbedingungen von Lizenzvereinbarungen ergeben, beispielsweise wenn Projekte (Produkte oder Technologien) gar nicht, verspätet oder in einem anderen Umfang als geplant auslizenziert werden. Ein entsprechendes Risiko entsteht auch, wenn die Einnahmen nicht die geplante Höhe erreichen bzw. durch erhöhten Ressourcenbedarf die Kosten im Vergleich zum Budgetplan steigen. Eine detaillierte Vorbereitung der Projekte, z. B. durch einen intensiven Austausch mit internen und externen Partnern und Beratern, gewährleistet eine optimale Positionierung im Vorfeld und stellt somit eine wichtige Maßnahme zur Risikominimierung dar.

Aufgrund der immer noch angespannten ökonomischen Lage stellen mögliche Insolvenzen von Bankinstituten weiterhin ein finanzielles Risiko dar. MorphoSys investiert weiterhin nur in – soweit möglich und abschätzbar – als sicher erachtete Fonds und Produkte von Banken, die über ein gleichbleibend hohes Rating verfügen und/oder durch einen starken Partner abgesichert sind.

OPERATIVE RISIKEN

Operative Risiken umfassen Risiken im Hinblick auf die Erforschung und Entwicklung von eigenen Medikamentenkandidaten sowie Risiken im Bereich der Abteilung Zentraler Einkauf und Logistik. Hinzu kommen Risiken bei der Rekrutierung von geeignetem Personal.

Ein Scheitern von klinischen Studien – wobei ein Scheitern einer Studie nicht notwendigerweise das Scheitern eines ganzen Programms bedeutet – vor der Auslizenzierung an Partner kann sich ergeben, wenn die Studiendaten nicht die erwarteten Ergebnisse oder aber unerwartete unerwünschte Nebenwirkungen zeigen. Das Design der klinischen Studien und der Entwurf von Entwicklungsplänen erfolgt stets mit größtmöglicher Sorgfalt. Damit haben die Studien in der klinischen Erprobung die besten Chancen, klinisch relevante Daten zu zeigen und somit die Zulassungsbehörden und mögliche Partner zu überzeugen. Neben dem intern vorhandenen Wissen werden auch externe Fachleute eingebunden. Für die Überwachung des Fortschritts von klinischen Programmen wurden spezielle Komitees gebildet.

In Bezug auf Einkauf & Logistik wird eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zu Lieferanten gelebt, um Verspätungen von Anlieferungen, Lieferungsengpässe und die damit einhergehenden zusätzlichen Kosten zu vermeiden. Dies wird durch eine regelmäßige Lieferantenbeurteilung unterstützt, die mögliche Probleme identifiziert, Lösungen ermittelt und intern wie extern an die jeweils verantwortlichen Führungskräfte kommuniziert wird. Personalrisiken bestehen zumeist im Bereich der Personalbeschaffung, beispielsweise im Hinblick auf Schwierigkeiten bei der Suche nach Kandidaten mit geeigneten Qualifikationen für die ausgeschriebene Position oder bei Problemen, Mitarbeiter dauerhaft an das Unternehmen zu binden. Um solchen Risiken zu begegnen, nutzt MorphoSys’ Personalabteilung alle Möglichkeiten, unter anderem auch die Zusammenarbeit mit externen Organisationen, um den Personalbeschaffungsprozess zu optimieren. Mit der Suche nach geeigneten Mitarbeitern wird zudem so früh wie möglich begonnen. Die Personalabteilung entwickelt Maßnahmen, die die Attraktivität von MorphoSys als Arbeitgeber mit einer offenen und kreativen Unternehmenskultur darstellen.

STRATEGISCHE RISIKEN

Aus nicht genutzten Chancen können sich Risiken ergeben, wenn der Zugang zu attraktiven Zielmolekülen und Wirkstoffen oder zu innovativen Technologien fehlt. Diese Risiken beziehen sich auch auf verpasste oder fehlgeschlagene M&A-Transaktionen. Um solchen Risiken zu begegnen, wurde ein umfassendes Bewertungsverfahren für sich bietende Beteiligungsmöglichkeiten eingerichtet. Ein weiteres strategisches Risiko könnte sich daraus ergeben, dass keine attraktiven krankheitsrelevanten Zielmoleküle und Wirkstoffe gefunden werden. Verbesserte Identifizierungsaktivitäten und strategische Allianzen können hier Abhilfe schaffen, wenn es darum geht, effektiv die passenden Bausteine zu finden.

EXTERNE RISIKEN

Externe Risiken ergeben sich für MorphoSys überwiegend im Zusammenhang mit seinem geistigen Eigentum. Der Patentschutz der firmeneigenen Technologien von MorphoSys ist besonders wichtig. Um die Risiken auf diesem Gebiet zu mindern, hält MorphoSys fortwährend Ausschau nach veröffentlichten Patenten und Patentanmeldungen, analysiert und beobachtet entsprechende Funde und entwickelt Umgehungsstrategien für möglicherweise relevant werdende Patente, bevor diese erteilt werden.

Mit dieser Strategie erzielte MorphoSys im Laufe der Jahre zunehmenden Erfolg und konnte seine Handlungsfreiheit in Bezug auf die firmeneigenen Technologieplattformen auf lange Sicht sichern.

Ein weiterer Bereich, in dem externe Risiken auftreten können, sind Veränderungen in den regulatorischen Rahmenbedingungen, die eine Anpassung der Entwicklungspläne und Aktivitäten bei MorphoSys notwendig machen könnten. MorphoSys hat branchenübliche Monitoringsysteme installiert, um in den teilweise auf Jahre angelegten Plänen gegebenenfalls frühzeitig und proaktiv Maßnahmen einzuleiten und Strategien den veränderten Rahmenbedingungen anpassen zu können.

ORGANISATORISCHE RISIKEN

Organisatorische Risiken bestehen auf den Gebieten Partnered Discovery, Technical Operations und IT. Im Bereich Partnered Discovery kann es innerhalb der Organisation zu Qualitätsverlusten oder zeitlichen Verzögerungen kommen, wenn sich die Zahl der Programme erhöht oder die Programme an Komplexität zunehmen. Zur Reduzierung der Komplexität und damit der ­Risiken wurden einheitliche Prozesse eingeführt, deren Einhaltung durch regelmäßige Audits überprüft wird.

Risiken im Bereich Technical Operations betreffen Vorgänge, die zur nachhaltigen Beeinträchtigung bis zur Unterbrechung des Betriebs sowie zu Störfällen mit gefährlichen oder umweltbelastenden Stoffen führen können. Zur Vermeidung derartiger Störungen werden geeignete Maßnahmen getroffen, wie regelmäßige Kontrolle und Wartung von Ausrüstung und Einrich­tun­gen sowie Schulungen und Übungen für die betroffenen Mit­arbeiter. Geeignete elektronische Überwachungssysteme vermindern darüber hinaus derartige Risiken. Finanzielle ­Risiken, die diesen Bereich betreffen, werden weitgehend über Versicherungen abgedeckt. Weitere Angaben zur betrieblichen Umgebung von MorphoSys können dem Nachhaltigkeitsbericht entnommen werden.

Geschäftstätigkeiten könnten Risiken ausgesetzt sein, die auf Ausfälle der IT-Infrastruktur oder der IT-Sicherheit zurück­zuführen sind. Diesen Risiken wird mit Sicherungskopien begegnet, die mehrfach täglich erstellt werden, sowie mit der Implementierung von äußerst zuverlässigen Firewall- und Virenscan-Systemen, um die Sicherheit und Stabilität der ­Daten zu gewährleisten. Darüber hinaus minimiert MorphoSys Risiken im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit, Verlässlichkeit und Effizienz seiner IT-Systeme durch kontinuierliche Prüfungen (z. B. simulierte, stufenweise Hackerangriffe) und Updates der Soft- und Hardware-Systeme. Die IT-Strategie wird zudem jährlich überprüft und angepasst.

COMPLIANCE-RISIKEN

Compliance-Risiken können entstehen, wenn Qualitätsstandards nicht eingehalten oder Geschäftsabläufe aus juristischer Sicht nicht einwandfrei abgewickelt werden. Um diesen Risiken entgegenzutreten, hat sich MorphoSys verpflichtet, in seinem Geschäftsbetrieb höchste Qualitätsstandards zu erfüllen, wie im Nachhaltigkeitsbericht dargelegt. Zur Risikominimierung wird das System zudem regelmäßig von Experten überprüft und wiederkehrenden Prüfungen durch eine interne, ­unabhängige Qualitätssicherungsabteilung unterzogen.

Konkrete Risiken könnten beispielsweise entstehen, wenn das interne Qualitätsmanagementsystem die rechtlichen Anforderungen nicht erfüllt oder es versäumt wird, interne Systeme zur Aufdeckung von Qualitätsmängeln zu implementieren. Falls interne Kontrollen nicht in der Lage sind, Richtlinienverstöße gegen die gute Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice – GMP  ), die gute klinische Praxis (Good Clinical Practice – GCP  ) oder die gute Laborpraxis (Good Laboratory Practice – GLP   ) aufzudecken, würde dies ebenfalls ein Compliance-Risiko darstellen.

Fehlerhaft durchgeführte Hauptversammlungen könnten zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit Aktionären führen. Die Folgen wären erhebliche Kosten aus dem Versuch, entweder eine Annullierung der Hauptversammlung abzuwenden oder, falls dies nicht möglich ist, die Hauptversammlung zu wiederholen. Zudem wären eventuell zu beschließende Kapitalmaßnahmen (z. B. eine Kapitalerhöhung) gefährdet.

Zur Minimierung dieses Risikos werden Vorbereitung und Durchführung der Hauptversammlung sowie alle relevanten Dokumente und Abläufe sowohl durch die hierfür zuständigen internen Abteilungen als auch von externen Anwälten und Wirtschaftsprüfern detailliert überwacht und geprüft.

BEURTEILUNG DER GESAMTRISIKOSITUATION IM MORPHOSYS-KONZERN DURCH DEN VORSTAND

Zum Zeitpunkt der Erstellung des vorliegenden Geschäftsberichts hält der Vorstand die Risiken für beherrschbar und den Fortbestand des MorphoSys-Konzerns für nicht gefährdet. Diese Einschätzung gilt sowohl für jedes einzelne Konzernunternehmen als auch für den MorphoSys-Konzern als Ganzes. Wie bereits erwähnt, überwacht MorphoSys seine Risiken regelmäßig mithilfe eines wirksamen Risikomanagementsystems, das fortwährend verbessert wird.

Chancen

MorphoSys verfügt über führende Antikörpertechnologien und ein Portfolio von validierten klinischen Entwicklungskandidaten. Auf dem Gebiet der Antikörper  ist eine beträchtliche Anzahl von Pharma- und Biotechnologieunternehmen tätig, aus denen künftige Kunden und Partner für die Produkte und Technologien von MorphoSys werden könnten. Aufgrund dieser Tatsache und dank der langjährigen Expertise im Bereich der Technologie- und Produktentwicklung hat MorphoSys für die kommenden Jahre eine Reihe von Wachstumschancen identifiziert.

Die Antikörpertechnologien von MorphoSys bieten bei der ­Entwicklung und Optimierung von therapeutischen Antikörperkandidaten entscheidende Vorteile, die im Medikamenten­entwicklungsprozess zu höheren Erfolgsquoten führen könnten.

Auch außerhalb des Antikörpersegments, in anderen Wirkstoffklassen, können durch den Transfer und die Anwendung von MorphoSys’ Kernkompetenzen im Technologiebereich Chancen entstehen. Im Geschäftsjahr 2012 hat MorphoSys eine neue ­Initiative gestartet, um sich diese Chancen durch Kooperationen mit jungen Firmen, gepaart mit einer Investition in selbige, zu erschließen.

ALLGEMEINE AUSSAGEN ZU DEN CHANCEN

Es wird damit gerechnet, dass die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung in den Industriestaaten und die Veränderungen hinsichtlich Einkommenssituation und Lebensstil in den Schwellenländern die Nachfrage nach zusätzlichen und innovativen Behandlungsverfahren sowie leistungsfähigen Technologien fördern werden. Wissenschaftlicher und medizinischer Fortschritt haben zu einem besseren Verständnis der biologischen Abläufe von Krankheiten geführt, was wiederum den Weg für neue therapeutische Ansätze ebnet. Innovative Therapien, wie beispielsweise vollständig menschliche Antikörper, haben in den letzten Jahren die Marktreife erlangt und zur Entwicklung wirtschaftlich erfolgreicher Medizinprodukte geführt. Daneben gelten therapeutische Wirkstoffe auf der Basis von Proteinen* – auch als biologische Wirkstoffe oder „Biologics“ bezeichnet – als weniger dem Wettbewerb durch Generika ausgesetzt als chemisch hergestellte Moleküle, weil die Herstellung biologischer Wirkstoffe weitaus komplexer ist. Daher sind die Nachfrage nach Antikörpern und das Interesse an dieser Medikamentenklasse in den letzten zwölf bis 36 Monaten enorm gestiegen, was sich an verschiedenen Akquisitionen und bedeutenden Lizenzvereinbarungen auf diesem Gebiet deutlich zeigt.

MARKTCHANCEN

MorphoSys ist der Ansicht, dass seine Antikörperplattformen HuCAL  und Ylanthia  sowie Slonomics  dazu genutzt werden können, Produkte zu entwickeln, die einen erheblichen, bislang ungedeckten medizinischen Bedarf adressieren.

THERAPEUTISCHE ANTIKÖRPER – PARTNERED DISCOVERY

Durch die Zusammenarbeit mit einer Reihe von Partnerunternehmen bei der Medikamentenentwicklung konnte MorphoSys das Risiko, das untrennbar mit der Entwicklung von einzelnen Medikamenten verbunden ist, breiter streuen. Mit rund 70 Entwicklungsprogrammen für therapeutische Antikörper, die derzeit mit Partnern betrieben werden, werden für MorphoSys die Chancen, finanziell an der Vermarktung von Medikamenten zu partizipieren, immer wahrscheinlicher. Im Jahr 2012 hat das erste Medikament – der Antikörper Gantenerumab, den der Pharmakonzern Roche im Bereich Alzheimer entwickelt – die zulassungsrelevante dritte Phase der klinischen Entwicklung erreicht.

MorphoSys wird seine mit Partnern betriebene Antikörper­pipeline weiter ausbauen. Darüber hinaus könnte MorphoSys weitere Partnerschaften auf Honorarbasis schließen.

THERAPEUTISCHE ANTIKÖRPER – PROPRIETARY DEVELOPMENT

Es ist davon auszugehen, dass die Pharmaindustrie die Ein­lizenzierungen neuer Wirkstoffe weiter intensivieren wird, um ihre Pipelines wieder aufzufüllen und frühere Schlüsselprodukte und Umsatzträger, die ihren Patentschutz verloren haben, zu ersetzen. Mit seinen am weitesten fortgeschrittenen Wirkstoffen MOR103, MOR202 und MOR208 ist MorphoSys in einer guten Ausgangslage, um vom Bedarf der Pharmakonzerne zu profitieren.

Durch das Segment Partnered Discovery, das über die kommenden Jahre hinweg gesicherte Mittelzuflüsse aufweisen wird, ist MorphoSys in der Lage, sein firmeneigenes Portfolio kontinuierlich zu stärken. MorphoSys wird die firmeneigene Pipeline durch zusätzliche klinische Studien mit seinen wesentlichen Medikamentenkandidaten weiter ausbauen, indem beispielsweise neue Krankheitsbereiche untersucht werden. MorphoSys beabsichtigt, sein Portfolio um weitere Programme zu ergänzen, und könnte dazu bestehende und künftige Co-Entwicklungschancen nutzen. Darüber hinaus sucht die Gesellschaft Chancen zur Einlizenzierung interessanter Medikamentenkandidaten.

TECHNOLOGIEENTWICKLUNG

MorphoSys investiert weiter in seine bestehenden und in neue Technologien, um seinen Spitzenplatz als technologisch führendes Unternehmen zu wahren. Mit Ylanthia hat MorphoSys eine neue Technologieplattform etabliert, die – anders als ihre Vorgängerversion HuCAL – wieder für breitere Lizenzierung an verschiedene Partner zur Verfügung steht. Im Jahr 2012 wurde mit der Kommerzialisierung der Ylanthia-Antikörperbibliothek begonnen.

Technologische Fortschritte dieser Art könnten das Unternehmen in die Lage versetzen, seine Partnerliste weiter auszubauen und sowohl das Tempo als auch die Erfolgsquote der mit Partnern betriebenen und firmeneigenen Medikamentenentwicklungsprogramme zu steigern. Neue Technologiemodule könnten auch neue Krankheitsbereiche erschließen, in denen derzeit Behandlungen auf der Basis von Antikörpern noch unterrepräsentiert sind, indem sie die Herstellung von Antikörpern gegen neuartige Klassen von Zielmolekülen ermöglichen.

Die Technologieentwicklung wird von einem Team von Wissenschaftlern vorangetrieben, das sich auf die Weiterentwicklung der MorphoSys-Technologien konzentriert. Außer auf die interne Technologieentwicklung setzt MorphoSys aber auch auf externe Quellen, um sich technologisch zu verstärken. Die ­Kooperation und Beteiligung an Lanthio Pharma, einem niederländischen Unternehmen, das sich mit der Entwicklung von Lantipeptiden auseinandersetzt, ist ein gutes Beispiel für derartige Aktivitäten.

AKQUISITIONSCHANCEN

MorphoSys hat in der Vergangenheit seine Fähigkeit unter ­Beweis gestellt, Akquisitionen durchzuführen und so sein Wachstum zu beschleunigen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat MorphoSys keine Akquisitionen durchgeführt, dafür aber erfolgreich den überwiegenden Teil seiner Geschäftseinheit AbD Serotec verkauft, um die Aktivitäten des Unternehmens auf die Medikamentenentwicklung zu fokussieren. Die Einheit AbD Serotec wurde durch zwei Akquisitionen in den Jahren 2005 und 2006 verstärkt und wurde im Dezember 2012 erfolgreich über dem Buchwert an Bio-Rad veräußert.

MorphoSys plant, seine Akquisitionsstrategie weiter einzu­setzen, um seinen Marktanteil auszubauen, seine bestehende ­Pipeline und Technologieplattform zu ergänzen und sich Zugang zu Patenten und Lizenzen für die Entwicklung neuartiger firmeneigener Technologien und Produkte zu sichern.

FINANZWIRTSCHAFTLICHE CHANCEN

Günstige Wechselkurs- und Zinsentwicklungen können sich positiv auf die Finanzergebnisse des Konzerns auswirken. Die Entwicklungen auf den Zins- und Finanzmärkten werden fortlaufend überwacht, damit Chancen zeitnah identifiziert und genutzt werden können.