Brief des
Vorstandsvorsitzenden

im Geschäftsjahr 2013 haben sich die Arbeit und die Investitionen, die über die letzten Jahre in unser firmeneigenes Wirkstoffportfolio geflossen sind, stattlich ausbezahlt. Durch umfangreiche Lizenzverträge mit den Pharmakonzernen Celgene und GlaxoSmithKline haben wir unsere Fähigkeit unter Beweis gestellt, Medikamenten­kandidaten vom Zielmolekül bis zu einer lukrativen Auslizenzierung komplett eigenständig zu ent­wickeln. Die Fortschritte unserer firmeneigenen Produkte haben den Firmenwert erheblich gesteigert. Dieser beachtliche Erfolg ist der Lohn für unsere Entscheidung, einen stärkeren Fokus auf firmeneigene Produkte zu legen. Wir sind entschlossen, eine reichhaltige Pipeline an zukünftigen Medikamenten aufzubauen und an der Wertsteigerung durch diese Produkte zu partizipieren.

Die Allianzen mit Celgene und GlaxoSmithKline für die weitere Entwicklung von MOR202 beziehungsweise MOR103 haben die nächste Entwicklungsstufe dieser Projekte eingeleitet. MorphoSys profitierte unmittelbar durch Einmalzahlungen und Beteiligungen von rund 140 Millionen Euro in Summe. Langfristig können in Abhängigkeit vom Entwicklungserfolg der jeweiligen Produkte durch Meilensteine und Tantiemen lukrative Zahlungen hinzukommen. In der Kooperation mit Celgene hat MorphoSys zusätzlich die Möglichkeit, MOR202 nach der Marktzulassung in Europa gemeinsam mit Celgene bei einer 50 %igen Gewinnbeteiligung zu vermarkten. Ein solcher Schritt würde es MorphoSys erlauben, im Laufe eines planbaren Zeitrahmens zu einer kommerziellen Organisation zu reifen.

Auch die Entwicklung des Krebsantikörpers MOR208 hat im Laufe des Jahres 2013 mit dem Start von drei neuen Phase-2-Studien beachtliche Fortschritte gemacht. MOR208 ist derzeit der am weitesten fortgeschrittene Wirkstoff unseres Portfolios, den wir komplett in Eigenregie entwickeln. Die klinischen Ergebnisse, die wir bislang gesehen haben, stimmen uns sehr zuversichtlich, dass MOR208 das Potenzial besitzt, eine wichtige Behandlungsoption für eine Reihe von bösartigen B-Zell-Erkrankungen zu werden.

Die Fortschritte in dem rein mit Partnern betriebenen Teil unserer Pipeline waren 2013 ebenso bemerkenswert. Der von Roche entwickelte HuCAL-Antikörper Gantenerumab zur Behandlung von Morbus Alzheimer genießt weiterhin hohe Aufmerksamkeit. Es versteht sich von selbst, dass jeder Wirkstoff, der den Krankheitsverlauf von Alzheimer positiv beeinflussen kann, einen enormen Durchbruch darstellen würde. Neben Gantenerumab sind andere Kandidaten unserer Pipeline aufgerückt, die dringliche medizinische Probleme adressieren. Beispielsweise der innerhalb unserer Allianz mit Novartis entwickelte Antikörper Bimagrumab, der verschiedene Krankheiten und Prozesse, die zu einem Verlust der Muskelkraft führen, zu therapieren versucht. Bimagrumab erhielt 2013 als erster HuCAL-Wirkstoff den sogenannten Breakthrough-Therapy ­Designation Status der US-Gesundheitsbehörde FDA. Wirkstoffe mit diesem Status genießen einige Vorteile seitens der Behörde entlang ihres Entwicklungsweges. Wenige Wochen nach dem Erhalt des Breakthrough-Therapy Designation Status brachte Novartis das Programm in eine zulassungsrelevante klinische Phase-2/3-Studie in der Indikation sporadische Einschlusskörpermyositis voran.

Derzeit umfasst unsere Partnerpipeline 16 klinische Antikörperwirkstoffe, die in 37 verschiedenen klinischen Studien untersucht werden. Neben den beiden genannten Wirkstoffen in zulassungsrelevanten Phase-3-Studien, Gantenerumab und Bimagrumab, befinden sich 9 Antikörper in Phase-2-Studien und 5 Antikörper in der Phase 1. Mit ihrer Vielfalt und Breite zählt die MorphoSys-Pipeline zu den stärksten innerhalb der biopharmazeutischen Industrie. Die Pipeline reift weiter und die nächste Entwicklungsphase – die Marktzulassung eines ersten HuCAL-Antikörpers und das Fließen erster Umsatztantiemen – rückt immer näher.

Auch finanziell betrachtet war das Geschäftsjahr 2013 ein sehr erfolgreiches, geprägt durch die Fortschritte unserer Produktpipeline. Die direkten Zahlungseingänge aus unseren beiden Allianzen mit Celgene und ­GlaxoSmithKline, die Erlöse aus dem Verkauf von AbD Serotec und eine Kapitalerhöhung haben unsere liquiden Mittel auf rund 400 Millionen Euro ansteigen lassen. Diese sehr solide Finanzlage unterstützt die ambitionierten Pläne für unser firmeneigenes Portfolio. Wir werden unsere fortgeschrittenen Projekte MOR202 und MOR208 so breit und schnell wie möglich entwickeln – im Fall von MOR202 natürlich in Kooperation mit ­unserem Partner Celgene. Wir wollen ebenso unsere frühen Forschungsaktivitäten intensivieren, mit dem Ziel, neue Technologieplattformen zu entwickeln und in der Medikamentenentwicklung einzusetzen. Und zu­sätzlich wollen wir reifere Projekte einlizenzieren, wie wir es im Fall von MOR208 bereits einmal erfolgreich gezeigt haben. Wir möchten all diese Aktivitäten verfolgen und unsere finanzielle Flexibilität beibehalten, um sich ergebende Möglichkeiten, seien es Einlizenzierungen, gemeinsame Entwicklungen oder Firmenzukäufe, schnell und ­flexibel ergreifen zu können.

Nach einigen Jahren, in denen sich die Fortschritte der Gesellschaft nur bedingt im Börsenkurs niedergeschlagen haben, konnte die MorphoSys-Aktie im vergangenen Jahr ein erneutes Kursplus von 87 % verzeichnen. Diese deutliche Neubewertung der Firma – aufbauend auf der bereits starken Performance des Jahres 2012 – spiegelt insbesondere die Fortschritte unseres firmeneigenen Wirkstoffportfolios wider. Wir sehen dies als erneute Bestätigung dafür, dass durch die Entwicklung von innovativen firmeneigenen Medikamenten eine deutlich höhere Wertsteigerung für unsere Aktionäre möglich ist als durch die Optimierung kurzfristiger Finanzergebnisse.

Insgesamt gesehen war 2013 für MorphoSys ein äußerst erfolgreiches Jahr und wir freuen uns auf ein nicht minder aufregendes Geschäftsjahr 2014. Klinische Daten zu MOR202, MOR208 und zahlreichen Partnerprogrammen sowie Aktivitäten, die unser firmeneigenes Wirkstoffportfolio weiter stärken, sehen wir als die Hauptentwicklungen im kommenden Jahr an. Unseren Weg hin zu einer noch stärker auf Medikamenten­entwicklung ausgerichteten Organisation mit innovativen Technologien als Basis werden wir fortsetzen.

Unser Erfolg ist nur dank des großen Einsatzes, der Loyalität und der Kreativität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich, bei denen ich mich herzlich bedanken möchte. Auch Ihnen, unseren Aktionärinnen und Aktionären, danke ich für Ihre anhaltende Unterstützung. Gemeinsam mit Ihnen wünsche ich unserem Unternehmen ein erfolgreiches Jahr 2014.


Dr. Simon Moroney
Vorstandsvorsitzender
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