Strategie und Leistungsmanagement

STRATEGIE

Auf Basis seiner leistungsstarken Technologien entwickelt MorphoSys innovative Medikamentenkandidaten, wobei der Schwerpunkt auf antikörper-basierten Wirkstoffen liegt. In Partnerschaften mit Pharma- und Biotechnologieunternehmen werden Umsätze generiert, die eine stabile finanzielle Basis schaffen, um zudem firmeneigene Medikamentenkandidaten zu entwickeln. Dieses Geschäftsmodell ermöglicht einen stetigen Ausbau der ­Produktpipeline und damit langfristigen Wertzuwachs für die ­Aktionäre der Gesellschaft.

Das Segment Partnered Discovery entwickelt für Partner aus der Pharmaindustrie optimierte therapeutische Antikörper. Mit 75 individuellen Antikörpern in Partnerprogrammen zum Ende des Geschäftsjahres 2013 verfügt MorphoSys über eine der breitesten Antikörperpipelines der Branche. Die daraus vertraglich vereinbarten Zahlungen beziehen Lizenzgebühren für Technologien und finanzierte Forschungsleistungen ebenso mit ein wie erfolgs­abhängige Meilensteinzahlungen und Tantiemen auf Produkt­verkäufe. Die auf diese Weise generierten Zahlungsströme können im Segment Proprietary Development investiert werden. Die Entwicklung firmeneigener Antikörperprogramme basiert auf den gleichen Technologieplattformen. Die Wirkstoffe werden in diesem Segment allerdings zunächst komplett eigenständig entwickelt. Erst im Laufe der klinischen Phasen werden sie entweder an ein Pharma- oder Biotechnologieunternehmen zur weiteren Entwicklung und Vermarktung auslizenziert oder in einer Kooperation gemeinsam mit einem Partner vorangebracht (co-development). Unter bestimmten Voraussetzungen könnten einzelne Projekte auch länger in eigener Regie entwickelt werden, eventuell sogar bis zur Marktreife.

Die Unternehmensstrategie von MorphoSys beruht zu einem großen Teil auf den innovativen Technologien des Unternehmens. Die Antikörperplattformen dienen sowohl als Motor für Kooperationen mit Pharma- und Biotechnologieunternehmen als auch als Basis für erfolgreiche Eigenentwicklungen. Die Wachstumstreiber sind vor allem HuCAL, die bislang erfolgreichste Antikörperbibliothek der Pharmaindustrie, sowie die Nachfolgeplattform Ylanthia, die derzeit größte bekannte Antikörperbibliothek im Fab-Format.

Im Hinblick auf die künftige Geschäftsentwicklung beobachtet MorphoSys die internationale Biotechnologiebranche sehr intensiv, um durch sich bietende Akquisitionen und durch Einlizenzierung nachhaltiges Wachstum sicherzustellen. Die am Ende des Jahres 2013 vorhandenen Liquiditätsreserven sind zum einen für Investitionen in die firmeneigene Forschung und Entwicklung ­reserviert, zum anderen für strategische Transaktionen, die die Technologiebasis und die therapeutische Pipeline von MorphoSys stärken können. Das erklärte Ziel ist es, bei gleichbleibender finanzieller Disziplin und mit konsequenter Kostenkontrolle durch signifikante Investitionen in die firmeneigenen Entwicklungsaktivitäten den Firmenwert weiter zu steigern.

LEISTUNGSMANAGEMENT

Um ein nachhaltiges Unternehmenswachstum und damit eine Wertsteigerung für seine Aktionäre zu erzielen, kommen bei MorphoSys sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Indikatoren zum Einsatz. Diese helfen, im operativen Tagesgeschäft den Erfolg der strategischen Entscheidungen zu überwachen und bei Bedarf zeitnah geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

FINANZIELLE LEISTUNGSINDIKATOREN

Als Finanzindikatoren im Hinblick auf die operative Unternehmensleistung dienen vor allem Kennziffern wie Umsatzerlöse und Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Für alle Segmente wird die Leistung auf monatlicher Basis ermittelt; die Budget­planung des laufenden Geschäftsjahres wird vierteljährlich überarbeitet und aktualisiert. Darüber hinaus wird einmal im Jahr eine mittelfristige, die nächsten drei Jahre abdeckende Planung erstellt. Eine eingehende Kostenanalyse, anhand derer die Gesellschaft die Einhaltung von Finanzzielen überwacht und einen Vergleich zu Vorperioden vornimmt, erfolgt auf fortlaufender Basis. Die Kosten für Vertrieb, Allgemeines und Verwaltung sowie für Forschung und Entwicklung (F&E) werden besonders sorgfältig überwacht.

MorphoSys’ Geschäftsverlauf wird durch Faktoren wie Meilenstein- und Lizenzzahlungen, Forschungs- und Entwicklungs­kosten, operative Zahlungsströme, Liquidität und Betriebskapital (working capital) beeinflusst. Diese Indikatoren werden ebenfalls regelmäßig bewertet und abgeglichen, wobei das Cash-Management, der Einfluss von Währungseffekten und sich bietende Investitionschancen im Mittelpunkt stehen. Der Barwert von Investitionen wird mithilfe von Discounted-Cashflow-Modellen  ermittelt.

NICHT-FINANZIELLE LEISTUNGSINDIKATOREN

Um die Wertschöpfungskette des Unternehmens in vollem Umfang abbilden zu können, werden nicht-finanzielle Leistungsindikatoren neben der finanzbezogenen Betrachtung als gleichwertige Komponenten herangezogen, beispielsweise Fortschritte der Produktpipeline, Management von Partnerschaften oder mitarbeiterbezogene Kennzahlen (Fluktuationsrate, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Fehlzeiten der Belegschaft etc.).

Die folgende Darstellung der nicht-finanziellen Leistungsindikatoren wird ergänzt und vertieft durch die Erläuterungen des Nachhaltigkeitsberichts (S. 50 bis 55) mit entsprechenden Verweisen auf die verbundenen Passagen.

Entwicklung der finanziellen Leistungsindikatoren

4
In Mio. €  2013  2012  2011  2010  2009 
MorphoSys-Konzern
Konzernumsatz der fortgeführten
Geschäftsbereiche1
78,0 51,9 82,1 87,0 81,0
EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) der
fortgeführten Geschäftsbereiche2
9,9 2,4 9,8 9,8 11,4
Partnered Discovery
Segmentumsatz 51,0 44,7 79,3 66,3 61,7
Segmentergebnis 25,4 23,0 55,7 42,7 39,6
Proprietary Development
Segmentumsatz 26,9 7,0 2,4 1,8 1,0
Segmentergebnis – 0,5 – 11,0 – 32,2 – 24,5 – 18,3
AbD Serotec
Segmentumsatz 0,6 18,0 19,3 20,2 19,3
Segmentergebnis 0,1 0,3 0,9 1,2 1,0

1 Konzernumsatz des aufgegebenen Geschäftsbereichs 2013: 0,6 Millionen Euro (2012: 17,7 Millionen Euro; 2011: 18,7 Millionen Euro); 2009 bis 2010: Konzernumsatz des Gesamtkonzerns
2 2009 bis 2010: Konzernergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit

MorphoSys’ Ziel ist es, erstklassige Antikörpertechnologien zu entwickeln und dank seiner breiten Produktpipeline seine führende Position im Markt für Therapeutika zu behaupten. Zur Erreichung dieses Ziels richtet sich die Unternehmensstrategie insbesondere auf die stetige Weiterentwicklung der Produktpipeline, sowohl im Hinblick auf die Anzahl der therapeutischen Antikörper als auch auf deren Qualität und Reife. Da erfolgreiche Produkte auf erstklassigen Technologien basieren, sind Fortschritte in der Technologieentwicklung ein weiterer zentraler Leistungsindikator. Nähere Informationen zu F&E im MorphoSys-Konzern finden Sie unter „Forschung und Entwicklung“ (S. 29 bis 31).

Zusätzlich zur Qualität der Forschungs- und Entwicklungsarbeit steht ein professionelles Management der Partnerschaften im Zentrum des Erfolgs. Dies umfasst neben Neuverträgen auch die strategische Weiterentwicklung von bestehenden Allianzen. Mehr zu Partnerprojekten erfahren Sie unter Partnered Discovery.

Weitere nicht-finanzielle Leistungsindikatoren sind überdies entscheidend für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg:

Gut ausgebildete und engagierte Mitarbeiter sind die Voraussetzung dafür, in einer auf F&E basierenden Branche wie der Biotechnologie langfristig erfolgreich bestehen zu können. Nur mit einer leistungsorientierten und vorausschauenden Personalstrategie kann die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gesichert und weiter ausgebaut werden. Deshalb kommt dem Personalmanagement eine strategische Schlüsselrolle zu. Ziel ist es, vielversprechende Talente für MorphoSys zu begeistern, Leistungsträger an die Gesellschaft zu binden sowie Mitarbeiter kontinuierlich und gezielt weiterzuentwickeln. Ein Ausdruck für den Erfolg des Personalmanagements in den vergangenen Jahren ist die hoch qualifizierte und erfahrene Belegschaft. Informationen rund um das Personalmanagement von MorphoSys erfahren Sie unter „Personal“ sowie im Nachhaltigkeitsbericht.

Verantwortungsvolles Handeln ist ein wesentliches Kennzeichen von MorphoSys’ Unternehmensführung. Entscheidend ist dabei, im Einklang mit strengen ökologischen und sozialen Grundsätzen zu arbeiten. Aus diesem Grund werden alle Prozesse und Produkte im Hinblick auf ihre Auswirkung auf Umweltschutz und Arbeitssicherheit geprüft. Ebenso zentral für eine zukunftsgerichtete Geschäftsstrategie ist eine strenge Qualitätssicherung, damit sowohl den eigenen hohen Qualitätsansprüchen als auch den Anforderungen unserer Partner und Kunden Genüge getan wird. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Qualitätsanforderungen im Bereich der klinischen Studien. Höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards stellen sicher, dass MorphoSys diese Anforderungen stets optimal erfüllt – ein zentrales Erfolgskriterium für den nachhaltigen Unternehmenserfolg. Details hierzu finden Sie im Nachhaltigkeitsbericht (S. 50 bis 55).

Sustainable Development Key Performance Indicators
(SD KPIS) bei MorphoSys (31. Dezember)

5
  2013  2012  2011  2010  2009 
Performance in eigener F&E1
(Anzahl individueller Antikörper)
Programme in der Wirkstoffsuche 3 2 2 5 3
Programme in der Präklinik 0 0 0 1 1
Programme in der Phase I 1 1 2 1 0
Programme in der Phase II 2 2 1 1 1
Gesamt 6 5 5 8 5
           
Performance in Partnerprogrammen1
(Anzahl individueller Antikörper)
Programme in der Wirkstoffsuche 37 34 30 32 32
Programme in der Präklinik 22 20 24 20 27
Programme in der Phase I 6 8 9 10 4
Programme in der Phase II 8 6 6 4 2
Programme in der Phase III 2 1 0 0 0
Gesamt 75 69 69 66 65
           
F&E Aufwand nach Segment
(In Mio. €)
Partnered Discovery 17,5 16,0 19,1 18,9 19,2
Proprietary Development 27,5 18,1 33,9 25,9 19,1
Technologieentwicklung 4,2 3,6 2,9 2,1 0,7
Gesamt 49,2 37,7 55,9 46,9 39

1 Zählweise der eigenen sowie der Partnerprogramme wurde gegenüber dem Geschäftsbericht 2012 angepasst:
Es werden die individuellen Antikörper gezählt, unabhängig davon, in wie vielen Indikationen diese entwickelt werden.

Ein professionelles Einkaufs- und Beschaffungsmanagement sichert eine gleichbleibend hohe Qualität von Waren sowie Dienst- und Beratungsleistungen zu einem optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis für das Unternehmen. Etablierte Ausschreibungswettbewerbe und Bewertungsprozesse ermöglichen die Evaluierung der Waren und Leistungen. Entsprechende Richtlinien stellen sicher, dass Best-Practice-Lösungen bei Einkaufsprozessen konzernweit berücksichtigt werden. Näheres zum Einkaufs- und Beschaffungsmanagement finden Sie ebenfalls im Nachhaltigkeitsbericht

FRÜHINDIKATOREN

MorphoSys überprüft auf monatlicher Basis Frühindikatoren, die sich auf das gesamtwirtschaftliche Umfeld, die Branche und das Unternehmen selbst beziehen. Auf Unternehmensebene werden für die therapeutischen Segmente ökonomische Daten zum Fortschritt der einzelnen Programme erhoben. Als makroökonomische Frühindikatoren nutzt MorphoSys allgemeine Marktdaten aus externen finanzwirtschaftlichen Studien, die insbesondere im Hinblick auf Transaktionen der Branche, Veränderungen rechtlicher Rahmenbedingungen sowie die Verfügbarkeit von Forschungsgeldern geprüft werden.

Bei bestehenden aktiven Kooperationen tagt regelmäßig ein gemeinschaftlicher Lenkungsausschuss, dessen Aufgaben die Aktualisierung und Überwachung der Programmfortschritte und eventuell daraus entstehender Meilensteinzahlungen sind. Diese laufenden Überprüfungen im Rahmen des Alliance Management ermöglicht zum einen ein frühzeitiges Eingreifen bei möglichen Fehlentwicklungen und gibt zum anderen bereits in einem sehr frühen Stadium Aufschluss über zu erwartende Einnahmen aus Meilensteinen. Im Fall von nicht-aktiven Kooperationen wird vom Partner ein Bericht zur Verfügung gestellt, der MorphoSys hilft, den Status der laufenden therapeutischen Programme zu verfolgen.

Als Frühindikatoren im Bereich der Geschäftsentwicklung dienen Marktanalysen, mittels derer der Bedarf neuer Technologien im Markt eruiert wird. Eine permanente Beobachtung des Marktes ermöglicht es MorphoSys, frühzeitig auf Trends und Anforderungen zu reagieren und so neue eigene Aktivitäten oder Partnerschaften in die Wege zu leiten.

Vor der Entwicklung eines therapeutischen Produktes wird ein Target Product Profile (TPP)  erstellt. Dieses Vorgehen gibt frühzeitig Aufschluss darüber, welche Eigenschaften ein Produkt aufweisen muss, um in Zukunft erfolgreich am Markt platziert werden zu können. Zentrale Fragestellungen werden im Rahmen dieses Prozesses geklärt, beispielsweise welche Wirksamkeit erzielt werden soll, ob eine Verbesserung des Sicherheitsprofils im Zentrum der Entwicklung steht oder ob der Fokus auf einer veränderten Darreichungsform des Medikamentenkandidaten liegen soll. Auch die konkrete Beschreibung der möglichen Positionierung im Markt sowie der relevanten Patientengruppen fällt unter das TPP. Ein dauerhaftes Monitoring der Kriterien und ihrer Erfüllung stellt sicher, dass im Lauf einer Produktentwicklung stets die wichtigsten Einflussfaktoren berücksichtigt werden und auf Veränderungen rechtzeitig reagiert werden kann.

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Wandel zu einem Biopharmazie-Unternehmen

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Brief des Vorstandsvorsitzenden

Dr. Simon E. Moroney