Bispezifische Antikörper im Kampf gegen Krebs.

Ein innovatives Antikörperformat
unterstützt das Immunsystem
bei Prostatakrebs.

Monoklonale AntikörperMonoklonale Antikörper: von einem ein­zigen Klon abstammende, einheitliche Antikörper sind längst etabliert im Kampf gegen Krebs und andere schwerwiegende Krankheiten. Eine relativ neue Variante sind so genannte bi-spezifische Antikörper. Wie der Name bereits vermuten lässt, binden diese Antikörper zwei unterschiedliche Zielmoleküle. Im Fall von Krebsmedikamenten heißt das zum Beispiel, ein Ende bindet an die Krebszelle, das andere an die T-Zelle, die so direkt zur Krebszelle geführt wird und diese abtöten kann.

Tumore der Prostata sind die häufigste Krebsform bei Männern.

In seiner mehr als 20-jährigen Firmengeschichte hat MorphoSys eine Vielzahl von Wirkstoffen erforscht, aktuell arbeiten wir an mehr als 90 Medikamentenkandidaten. Im Zentrum stehen dabei zunächst vor allem vollständig humane, monoklonale Antikörper aus unseren firmeneigenen Antikörperbibliotheken. Mittlerweile sind unsere Wissenschaftler weltweit auf der Suche nach interessanten Molekülen und Wirkstoffen, auch über die monoklonalen Antikörper hinaus. Fündig wurden sie zuletzt bei dem US-amerikanischen Biopharmazieunternehmen Emergent BioSolutions, mit dem MorphoSys im Sommer 2014 eine Kooperation startete.

Gemeinsam arbeiten wir an dem Molekül MOR209/ES414 gegen Prostatakrebs, das von Emergent mit Hilfe seiner firmeneigenen ADAPTIR-Plattform entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um ein zielgerichtetes ProteinProtein: Eiweißstoffe; Polymere, bestehend aus Aminosäuren; z. B. Antikörper, Enzyme zur Immuntherapie. Auf Prostatakrebszellen ist häufig das Prostataspezifische Membranantigen (PSMA) zu finden. MOR209/ES414 zeichnet sich dadurch aus, dass es zytotoxische T-Zellen, auch Killerzellen genannt, gegen die derart „markierten“ Krebszellen lenken kann, wie präklinische in vitro- und in vivo-Studien gezeigt haben. Der bispezifische Antikörper enthält also zwei Bindungspaare, von denen jedes auf ein einzelnes AntigenAntigen: Fremdstoff, der Antikörperpro­duktion ­stimuliert; Bindungspartner von Antikörpern zielt.

Durch Vorsorgeuntersuchungen, Bestrahlungen, Operationen und Hormontherapien kann die Krankheit vor allem im frühen Stadium gut erkannt und effektiv behandelt werden. Bei Patienten jedoch, die an metastasierendem, kastrationsresistentem Prostatakrebs (mCRPCmCRPC: metastasierender, kastrationsresistenter Prostatakrebs) leiden, erhöhen diese Therapien die Lebenserwartung nur um wenige Monate. Gerade in dieser Indikation ist daher der medizinische Bedarf an wirksamen Behandlungsformen sehr hoch. Seit März 2015 wird diese Patientengruppe in einer klinischen Phase-1-Studie mit dem Wirkstoff MOR209/ES414 behandelt.

  1. Bispezifisches Molekül
  2. Wirkweise
  3. Häufigkeit weltweit
  4. Anatomie Prostata
  1. Der bispezifische Antikörper enthält zwei Bindungspaare, von denen jedes auf ein einzelnes Antigen zielt. Die zwei Bindungspaare befinden sich an entgegengesetzten Enden der Fc-Region eines Immunglobulins, um die Halbwertszeit des Wirkstoffs zu verlängern und eine Aufreinigung zu ermöglichen, die für Immunglobulin-basierte Moleküle typisch ist.
  2. Das immuntherapeutische Protein MOR209/ES414 aktiviert die körpereigene T-Zell-vermittelte Immunität gegen Prostataspezifische-Membranantigen(PSMA)-exprimierende Prostatakrebszellen. Dieses Antigen wird häufig auf Prostatakrebszellen überexprimiert. Das Anti-CD3CD3: Oberflächenantigen auf T-Zellen-Bindungspaar des Moleküls bindet selektiv an den T-Zell-Rezeptor auf zytotoxischen T-Zellen, die aktiviert werden, sobald das Anti-PSMA-Bindungspaar des Moleküls an die Krebszelle bindet.
  3. Prostatakrebs ist die bei Männern am häufigsten auftretende Krebsart. Jährlich erkranken weltweit circa 900.000 Männer daran, 230.000 davon in den USA.
  4. Bei Männern wird der obere Teil der Harnröhre von der sogenannten Prostata, auch als Vorsteherdrüse bekannt, umschlossen. In frühen Stadien ist Prostatakrebs nahezu immer symptomlos. Hauptbeschwerden ergeben sich beim fortgeschrittenen Karzinom zum Teil auch primär durch Metastasen, während das Prostatakarzinom klinisch „stumm“ bleibt.

Interview

Dr. Barbara Krebs-Pohl Head of Business Development über MOR209/ES414

MorphoSys hat sich entschieden, eine Kooperationsvereinbarung mit Emergent BioSolutions zur Entwicklung von MOR209/ES414 einzugehen.
Was hat Sie an dem Wirkstoff überzeugt?
Wir glauben, MOR209/ES414 hat das Potenzial, sich zu einer wirksamen Therapie zur Behandlung von metastasierendem, kastrationsresistentem Prostatakrebs (mCRPC) zu entwickeln. Patienten mit mCRPC brauchen dringend ein Medikament, das ihre Lebenserwartung deutlich erhöht, dabei die Qualität des Lebens nicht zu stark einschränkt und im Idealfall die Chance auf Heilung bietet.
Warum haben Sie Emergent als Partner gewählt?
Emergent und MorphoSys ergänzen sich sehr gut, sowohl was Unternehmenskultur und Werte betrifft, als auch im Hinblick auf die Arbeitsweise und die zu erwartenden Synergien unser beider Expertisen. Und natürlich erscheint uns der Wirkstoff sehr vielversprechend. Wir möchten MOR209/ES414 möglichst schnell nach höchsten Qualitätsstandards und mit vereinten Kräften weiterentwickeln.
Wie geht es konkret weiter mit der klinischen Entwicklung von MOR209/ES414?
Die klinische Entwicklung soll im März 2015 mit dem Start einer Phase-1-Studie an bis zu 130 Patienten mit mCRPC in den USA und Australien beginnen. Natürlich müssen wir dann zunächst den Verlauf dieser Studie abwarten, in der die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit des Medikamentenkandidaten untersucht werden. Wenn wir erste Ergebnisse vorliegen haben, werden wir die weiteren Schritte gemeinsam mit unserem Partner Emergent planen.
Top Previous Weiter