Geschäftsbericht 2015
Engineering the Medicines
of Tomorrow

Bei knapp 1 Million
Menschen weltweit wurde
im Jahr 2015 Blutkrebs
festgestellt.

Unsere Forschung gegen Blutkrebs

Antikörper greifen Blut-
krebszellen zielgerichtet an.

Die Wirkungsweise unserers Antikörpers
MOR208

Patienten profitieren von
neuen Entwicklungen zur
Behandlung von Blutkrebs.

Der Antikörper MOR208 in der
klinischen Entwicklung

MOR208 – in klinischen Studien
bei Blutkrebspatienten

MorphoSys entwickelt seinen am weitesten fortgeschrittenen Antikörper MOR208 gegen Blutkrebs für Kombinations­behandlungen mit anderen Krebsmedikamenten.

Aufgrund seiner spezifischen Wirkungsweise und bisher gezeigten guten Verträglichkeit wird MOR208 als vielversprechender Kombinationspartner für andere Krebsmedikamente erachtet.

Die geplanten Kombinationsstudien mit MOR208 in Blutkrebs

Verabreicht als Einzelwirkstoff hat MOR208 in einer klinischen Phase 2a-Studie bei 92 Patienten mit verschiedenen Formen von Lymphdrüsenkrebs (unter anderem in der Indikation DLBCLDLBCL: diffuses großzelliges B-Zell Lymphom, eine Unterform des NHL) bereits vielversprechende Wirksamkeit und gute Verträglichkeit gezeigt.

Darüber hinaus wird MOR208 derzeit in Kombination mit den Krebsmedikamenten Lenalidomid bzw. Ibrutinib in einer laufenden prüfarzt-initiierten klinischen Phase 2-Studie von Forschern der Ohio State University in Patienten mit CLLCLL: chronisch lymphatische Leukämie; am häufigsten vorkommende Leukämieform, greift die B-Zellen an untersucht.

Nun soll MOR208 in einer Reihe von klinischen Studien in Kombination mit anderen Medikamenten erprobt werden, um die Wirksamkeit und Sicherheit der Kombinationstherapie im Einsatz am Patienten zu untersuchen.

MorphoSys plant deshalb 2016 den Start von drei klinischen Kombinationsstudien mit MOR208.

  1. MOR2018 + Lenalidomid in DLBCl
  2. Mor208 + Idelalisib in CLL
  3. Mor208 + Bendamustin in DLBCL
  1. In einer Phase 2-Studie soll MOR208 in Kombination mit dem Wirkstoff Lenalidomid in rund 80 Patienten mit diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) erprobt werden. Dabei soll die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Kombinationsbehandlung untersucht werden. Immunmodulatoren wie zum Beispiel Lenalidomid erhöhen erwiesenermaßen die Aktivität der natürlichen Killerzellen (NK-ZellenNK-Zellen: natürliche Killerzellen des körpereigenen Immunsystems; sie sind in der Lage, abnormale Zellen, z. B. Tumorzellen, zu erkennen und abzutöten) der körpereigenen Immunabwehr. Der Antikörper MOR208 bindet gezielt an die Tumorzelle und lockt damit NK-Zellen an. Damit soll er eine effiziente und spezifische Abtötung der Tumorzellen ermöglichen. Die möglichen additiven oder sogar synergistischen Effekte der beiden in Kombination verabreichten Wirkstoffe sollen in dieser klinischen Studie bei DLBCL-Patienten untersucht werden.
  2. In einer weiteren Phase 2-Studie soll MOR208 zusammen mit dem Medikament Idelalisib in bis zu 120 Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) eingesetzt werden. Dabei sollen solche Patienten behandelt werden, die einen Rückfall auf die vorherige Behandlung mit dem Krebsmedikament Ibrutinib oder einem anderem BTK-Inhibitor erlitten haben. Für diese Patientengruppe existiert aktuell keine Behandlungsoption. Deshalb soll in dieser Studie untersucht werden, ob die Kombinationsgabe eines spezifischen gegen entartete B-Zellen gerichteten Antikörpers wie MOR208 und eines neuen gegen B-Zell-Tumore gerichteten oralen Wirkstoffs wie Idelalisib zusammen einen Patientennutzen stiften kann.
  3. Schließlich plant MorphoSys in der zweiten Jahreshälfte 2016 den Start einer Kombinationsstudie mit MOR208 und dem Chemotherapeutikum Bendamustin in DLBCL. Diese Studie wird zunächst mit einem Teil zur Untersuchung der Sicherheit beginnen und dann im Jahr 2017 in eine Phase 3-Studie mit rund 320 Patienten überführt werden. Bendamustin hat sich in der langjährigen klinischen Praxis als Kombinationspartner für Blutkrebstherapien bewährt; eine Kombination mit dem in klinischen Monotherapiestudien vielversprechend wirkenden und gut verträglichen MOR208-Antikörper soll damit in einer Zulassungsstudie näher untersucht werden.
  1. Studienzentren MOR208 weltweit
  2. Patientenzahlen MOR208 weltweit
  1. MOR208 wird in klinischen Studien weltweit entwickelt. Die teilnehmenden Krankenhäuser und Studienzentren befinden sich auf vier Kontinenten. Ihre Zahl wird in den kommenden Jahren weiter steigen.
  2. Die Sicherheit und Wirksamkeit von MOR208 wird in einer Reihe von klinischen Studien in Krebspatienten untersucht. Die Zahl der an diesen Studien teilnehmenden Patienten wird in den kommenden Jahren deutlich steigen.

Interview

Dr. Wojciech Jurczak Außerord. Professor, Abt. für Hämatologie, Jagiellonian Universität, Krakau, Polen,
Klinischer Studienleiter und Prüfarzt für MOR208

Herr Dr. Jurczak, warum eignet sich MOR208 so gut für Kombinationstherapien?
MOR208 wurde in klinischen Studien als Einzelwirkstoff bislang sehr gut vertragen. Zudem hat er ein klares und zielgerichtetes Wirksamkeitsprofil gezeigt. Das macht ihn zu einem potenziell geeigneten Wirkstoff für Kombinationsbehandlungen. Die Idee solcher Therapien ist es Krebszellen von mehreren Seiten zu attackieren, um so den erhofften Behandlungsnutzen zu erhöhen. Beispielsweise kann der Antikörper zusammen mit einem Chemotherapeutikum verabreicht werden, das einen anderen geeigneten Wirkmechanismus gegen Blutkrebs hat. Die verabreichten Medikamente sollen sich in ihrer Wirkweise ergänzen oder im Idealfall sogar gegenseitig verstärken. Dies soll nun in den geplanten klinischen Studien mit MOR208 bei Lymphom- und Leukämiepatienten untersucht werden.
In welchen Indikationen soll MOR208 dabei zum Einsatz kommen?
MOR208 wird zur Behandlung von bösartigen Erkrankungen entwickelt, bei denen die B-Zellen des Lymphsystems befallen sind. Das könnte ein vielversprechender Ansatz sein, denn MOR208 bindet spezifisch an das AntigenAntigen: Fremdstoff, der Antikörperpro­duktion stimuliert; Bindungspartner von Antikörpern CD19CD19: therapeutisches Zielmolekül für die Behandlung von B-Zellen-Lymphomen und -Leukämien, das auf der Oberfläche von malignen B-Zellen zu finden ist. Für die Indikationen diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL) und chronische lymphatische Leukämie (CLL), insbesondere für rezivierende und refraktäre Patienten, stehen derzeit nur wenige Therapien zur Verfügung. Deshalb sehen wir in diesen beiden B-Zell-Erkrankungen einen besonders hohen medizinischen Bedarf für neue wirksame und gut verträgliche Kombinationstherapien mit einem Antikörper wie MOR208.
Wie ist die klinische Situation für DLBCL-Patienten?
Patienten die am rezidivierenden bzw. refraktären DLBCL, der häufigsten Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, erkrankt sind, haben derzeit nicht viele wirksame Behandlungsalternativen. Neben Standard-Chemotherapien sind für diese Art des Lymphdrüsenkrebs derzeit vor allem gegen das ZielmolekülZielmolekül: Angriffspunkt für therapeutische Intervention, etwa auf der Oberfläche von kranken Zellen (auch: Target) CD 20 gerichtete Antikörpertherapien zugelassen. Das CD19 Antigen, an das MOR208 bindet, ist auf B-Zellen jedoch sehr stark exprimiert und erscheint deshalb als ein vielversprechendes Zielmolekül, insbesondere für diejenigen Patienten, bei denen eine vorangegangene CD20CD20: therapeutisches Zielmolekül für die Behandlung von B-Zellen-Lymphomen und -Leukämien-adressierte Therapie nicht (mehr) wirkt. Außerdem hat MOR208 als Einzelwirkstoff in einer klinischen Phase 2a-Studie in Non-Hodgkin-Lymphomen, insbesondere in der Indikation DLBCL, bereits vielversprechende Wirksamkeit und gute Verträglichkeit gezeigt. Jetzt wollen wir das Potenzial von MOR208 in Kombination mit anderen Krebsmedikamenten in dieser Indikation erproben, mit dem Ziel Patienten neue wirksame Behandlungsoptionen zu bieten.
Was verspricht man sich von MOR208 bei CLL?
CLL ist derzeit mit sogenannten BTK-Inhibitoren wie Ibrutinib für eine gewisse Zeit relativ gut behandelbar. Allerdings gibt es vor allem nach dem Absetzen der Ibrutinib-Therapie einen hohen medizinischen Bedarf für CLL-Patienten. Für diese Patientengruppe steht keine zugelassene Therapie mehr zur Verfügung und ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist nur mehr sehr kurz. MOR208 könnte ein vielversprechender Wirkstoff für Kombinationsbehandlungen in dieser Indikation sein. Denn wir haben aus der Wissenschaft Hinweise, dass MOR208 – neben seiner bekannten, auf die Abtötung der Tumorzellen abzielenden Wirkweise – noch eine zweite Wirkung haben könnte: nämlich die Krebszellen zu sensitivieren, sprich empfänglich für die Therapie bestimmter anderer, in Kombination verabreichter Medikamente zu machen. Dies soll nun in einer Kombinationsstudie mit dem Wirkstoff Idelalisib an Patienten klinisch erprobt werden, die auf eine Behandlung mit dem Medikament Ibrutinib nicht mehr ansprechen.
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