Geschäftsbericht 2015
Engineering the Medicines
of Tomorrow

Bei knapp 1 Million
Menschen weltweit wurde
im Jahr 2015 Blutkrebs
festgestellt.

Unsere Forschung gegen Blutkrebs

Antikörper greifen Blut-
krebszellen zielgerichtet an.

Die Wirkungsweise unserers Antikörpers
MOR208

Patienten profitieren von
neuen Entwicklungen zur
Behandlung von Blutkrebs.

Der Antikörper MOR208 in der
klinischen Entwicklung

Was ist Blutkrebs?

MorphoSys verfolgt im Bereich Krebs mehrere Projekte zur Therapie von hämatologischen Krebserkrankungen. Dies sind Krebsformen, die aus einer fehlgeleiteten Blutbildung hervorgehen. Sie werden im Volksmund auch als Blutkrebs bezeichnet.

Im Gegensatz zu den soliden Tumoren, die zunächst räumlich begrenzt an/in bestimmten Organen wie Brust, Lunge oder Darm entstehen, betreffen hämatologische Tumorerkrankungen von Anfang an den gesamten Körper. Dies stellt besonders hohe Anforderungen an die Entwicklung wirksamer neuer Medikamente.

Leukämien, Lymphome, Myelome – welche Formen von Blutkrebs gibt es?

Blutzellen werden im Knochenmark kontinuierlich neu gebildet und reifen in einem komplexen Prozess über mehrere Zwischenschritte heran. Da es zu verschiedenen Zeitpunkten in ihrer Entwicklung zu einer Entartung und damit zur Entstehung von Blutkrebszellen kommen kann, gibt es eine sehr diverse Gruppe von hämatologischen Krebserkrankungen. Diese erfordern entsprechend unterschiedliche zielgerichtete Therapien.

MorphoSys ist derzeit insbesondere in diesen drei Blutkrebsindikationen aktiv: diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCLDLBCL: diffuses großzelliges B-Zell Lymphom, eine Unterform des NHL), chronische lymphatische Leukämie (CLLCLL: chronisch lymphatische Leukämie; am häufigsten vorkommende Leukämieform, greift die B-Zellen an) und multiples Myelom (MMMM: Multiples Myelom, bösartiger Tumor des Knochenmarks (auch: Plasmozytom)).

  1. Blutbildendes System (Hämatopoese)

  2. Was ist Leukämie?
  3. Was sind Lymphome?
  4. DLBCL
  5. CLL
  6. MM
  1. Die Hämatopoese ist die Bildung der Zellen des Bluts aus blutzellbildenden Stammzellen im Knochenmark. Neben roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) gibt es die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) als die am stärksten differenzierte Gruppe von Blutzellen. Dazu gehören auch die Zellen des Lymphsystems (Lymphozyten) mit den NK-ZellenNK-Zellen: natürliche Killerzellen des körpereigenen Immunsystems; sie sind in der Lage, abnormale Zellen, z. B. Tumorzellen, zu erkennen und abzutöten, T-ZellenT-Zellen: Abkürzung für T-Lymphozyten; Zellgruppe der weißen Blutkörperchen, gemeinsam mit B-Lymphozyten verantwortlich für die Immunabwehr im Körper, B-Zellen und Plasmazellen.

  2. Leukämie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „weißes Blut“. Durch eine Fehlfunktion werden dabei übermäßig viele maligne und deshalb nicht funktionstüchtige weiße Blutkörperchen (Leukozyten) gebildet und ins Blut abgegeben. Sie verdrängen die gesunden Blutzellen, wodurch Immunabwehr, Sauerstofftransport und Blutgerinnung gestört werden. Charakteristisch für Leukämien ist das Vorkommen von Tumorzellen in der Blutbahn.

    Man unterscheidet zwischen akuten Leukämien und chronischen Leukämien. Während sich akute Leukämien innerhalb weniger Wochen oder Monate zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung entwickeln können, breitet sich die chronische Leukämie oft schleichend und lange Zeit unbemerkt im Patienten aus.

  3. Lymphome sind Krebserkrankungen des lymphatischen Systems.

    Jeder Mensch kennt das Lymphsystem von geschwollenen Lymphknoten bei grippalen Infekten. Das Lymphsystem ist ein wichtiger Teil des Notfall-Informationssystems im menschlichen Körper, sozusagen die Polizeischule der körpereigenen Immunabwehr: In Milz, Knochenmark oder den Lymphknoten werden die weißen Blutkörperchen, Lymphozyten genannt, gebildet: Die T-Lymphozyten (T-Zellen) erkennen und markieren pathogene Stoffe wie Viren und Bakterien. Die B-Lymphozyten (B-Zellen) produzieren die körpereigenen Antikörper, die zur Bekämpfung dieser fremden Stoffe dienen.

    Bei Lymphomen entarten und vermehren sich die Lymphzellen (beispielsweise die B-Zellen) und verdrängen die gesunden Zellen der Blutbildung. Die weißen Blutkörperchen funktionieren nicht mehr, die körpereigene Abwehr wird geschwächt. Es kommt zu Gewebeneubildungen wie übermäßig stark angeschwollenen Lymphknoten. Man unterscheidet zwei Typen von Lymphomen, das Hodgkin-Lymphom und die Non-Hodgkin-Lymphome. Zu den Letzteren gehört unter anderem das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL).

  4. Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist das am weitesten verbreitete Non-Hodgkin-Lymphom bei Erwachsenen und macht rund 30 % aller Non-Hodgkin-Lymphome aus. Die Krankheit betrifft vornehmlich ältere Personen, kann in Einzelfällen aber auch bei jungen Menschen auftreten. Unbehandelt führt diese aggressive Erkrankung, die die B-Zellen des körpereigenen Immunsystems befällt, rasch zum Tode.

    Die verfügbaren Behandlungsoptionen für DLBCL sind beschränkt. Der MorphoSys-Antikörper MOR208 befindet sich derzeit in der klinischen Entwicklung in dieser Indikation.

  5. Bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) entarten B-Lymphozyten (B-Zellen) des körpereigenen Immunsystems. Diese malignen Zellen können keine Krankheitserreger mehr bekämpfen, vermehren sich aber unkontrolliert im Blut. Dadurch verdrängen die Leukämiezellen noch funktionsfähige B-Lymphozyten sowie andere Blutzellen, die im Knochenmark gebildet werden. Als Folge entsteht sowohl ein Mangel an Blutplättchen wie auch an weißen und roten Blutkörperchen. Dies führt zu einer erheblichen Schwächung der Immunabwehr und äußert sich beispielsweise in einer gestiegenen Infektanfälligkeit.

    CLL ist die häufigste Form der Leukämie bei Erwachsenen. Sie ist durch neue Wirkstoffe (sog. BTK-Inhibitoren) zunächst relativ gut behandelbar. Allerdings gibt es für Patienten, bei denen diese Therapie nicht (oder nicht mehr) anschlägt, in der Regel keine wirksame Behandlungsoption mehr. Die Folge ist eine stark gesunkene Lebenserwartung. Da die B-Zellen ein Bestandteil des Lymphsystems sind, gehört die CLL zu den Lymphomen.

    Der MorphoSys-Antikörper MOR208 befindet sich derzeit in der klinischen Entwicklung in dieser Indikation.

  6. Das multiple Myelom entsteht durch die Entartung und bösartige Vermehrung der Plasmazellen des Knochenmarks. Aufgabe gesunder Plasmazellen ist die Immunabwehr, das heißt, sie produzieren Immunglobuline – Eiweiße, die im Immunsystem des Menschen Viren, Bakterien und andere Infektionserreger bekämpfen. In Folge der Erkrankung wird die normale Blutbildung verdrängt und die körpereigene Abwehr geschwächt. Zudem entstehen Krankheitsherde im Knochenmark. Im Vergleich zu anderen Blutkrebserkrankungen sind deshalb Knochenschäden ein typisches Anzeichen des multiplen Myeloms.

    Das multiple Myelom ist die häufigste Form von Knochen- und Knochenmarkkrebs in westlichen Ländern und tritt typischerweise im höheren Lebensalter auf. 10 % aller Blutkrebserkrankungen bzw. 1 % aller Krebserkrankungen sind multiple Myelome. Da die befallenen Plasmazellen zum lymphatischen System gehören, wird die Erkrankung den Lymphomen zugerechnet, obwohl ein Befall von Lymphknoten nur selten zu beobachten ist.

    Der MorphoSys-Antikörper MOR202 befindet sich derzeit in der klinischen Entwicklung in dieser Indikation.

Was bewirken Antikörper bei Blutkrebs?

Das Hauptprinzip der Antikörpertherapie bei Blutkrebs beruht auf der gezielten Erkennung, Sichtbarmachung und Vernichtung von Krebszellen im Zusammenspiel mit dem körpereigenen Immunsystem. Dazu werden monoklonale Anti­körper eingesetzt. Diese Eiweißmoleküle erkennen sogenannte Antigene auf der Oberfläche bestimmter Tumorzellen und docken gezielt an diese an. Durch das Andocken des Antikörpers an die Krebszelle wird die körpereigene Abwehr aktiviert, um die Krebszelle abzutöten. Man spricht hier im englischen Fachjargon von ADCCADCC: Antibody-dependent cell-mediated cyto­toxicity; Reaktion von natür­lichen Kil­ler­zellen mit antikörperbela­denen Zielzellen, die gebunden und zerstört werden (antibody-dependent cell-mediated cytotoxicity — durch den Antikörper vermittelte zelluläre Zytotoxizität). Bildlich gesprochen funktionieren monoklonale Antikörper in Verbindung mit Krebszellen wie ein Schlüssel-Schloss-Prinzip, dessen Ergebnis die gezielte Tötung der Krebszelle ist.

MorphoSys setzt Antikörper ein, die so gestaltet sind, dass sie vom menschlichen Immunsystem nicht abgestoßen werden. Die MorphoSys-­Wirkstoffe stammen aus den firmeneigenen Antikörperbibliotheken HuCALHuCAL: Human Combinatorial Antibody Library; von MorphoSys entwickelte Antikörperbibliothek zur raschen Erzeugung von spezifischen und mensch­lichen Antikörpern für alle Anwendungen bzw. YlanthiaYlanthia: neuartige Antikörper­plattform der nächsten Generation von ­MorphoSys. Dies sind die umfangreichsten Antikörperbibliotheken der Biotechnologieindustrie. Über 100 auf dieser Technologie basierende Antikörper werden derzeit im pharmazeutischen F&E-Prozess entweder bei Partnern oder von MorphoSys selbst für den therapeutischen Einsatz weiterent­wickelt; 25 dieser Wirkstoffe werden bereits in insgesamt 60 aktiven klinischen Studien bei Patienten erprobt.

  1. Patientenzahlen DLBCL
  2. Patientenzahlen CLL
  3. Patientenzahlen MM
  1. Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist das am weitesten verbreitete Non-Hodgkin-Lymphom bei Erwachsenen und macht rund 30 % dieser Erkrankungen aus.
  2. Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist der häufigste Blutzellkrebs bei Erwachsenen in der westlichen Welt. Die Neuerkrankungsrate liegt bei Männern bei ca. vier, bei Frauen bei ca. zwei pro 100.000 Einwohnern.
  3. Das multiple Myelom (MM) ist der häufigste Knochen- und Knochenmarkkrebs in westlichen Ländern. Die Erkrankung macht rund 10 % aller Blutkrebserkrankungen bzw. 1 % aller Krebserkrankungen aus.

Welche Rolle spielen Antikörper in
Kombinationstherapien?

Unter einer Kombinationstherapie versteht man die Behandlung einer Erkrankung mit zwei oder mehr Arzneistoffen.

Bei aggressiven Krankheitsformen ist es wichtig, die Tumorzellen von mehreren Seiten anzugreifen, um sie direkt abzutöten bzw. das weitere Wachstum und die Metastasierung zu verhindern. Gerade in der Behandlung von Krebs werden Antikörper oft in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingesetzt. Durch ihre sehr spezifische Wirkungsweise und ihre gute Verträglichkeit sind sie ein idealer Partner für eine Vielzahl anderer Therapeutika und können in unterschiedlichen Kombinationen über lange Behandlungszeiträume eingesetzt werden.

Bei Kombinationsbehandlungen werden die Tumore mithilfe verschiedener Mechanismen buchstäblich in die Zange genommen. Dies gilt als besonders erfolgversprechend, da Tumorzellen zum einen oft eine ganze Reihe verschiedener biologischer Mechanismen verwenden, um zu wachsen und sich auszubreiten. Zum anderen haben Tumorzellen die Eigenschaft, Abwehrmechanismen gegen einzelne Therapien zu entwickeln. Durch die gleichzeitige Gabe mehrerer Therapien soll der Tumor effektiver behandelt werden.

Zudem konnte in der Forschung nachgewiesen werden, dass bestimmte Wirkstoffe synergistisch wirken, das heißt sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. So steigern die sogenannten Immunmodulatoren, wie Lenalidomid oder Pomalidomid, die Aktivität der natürlichen Killerzellen (NK-Zellen). Antikörper, die an Krebszellen binden, locken solche NK-Zellen an, und sorgen so für eine effiziente und spezifische Abtötung der Tumorzellen.

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