Brief des Vorstandsvorsitzenden

ich freue mich sehr, Ihnen unseren Geschäftsbericht über ein erfolgreiches Jahr 2016 vorzulegen. Unsere Produktpipeline umfasste zum Ende des Geschäftsjahres eine Rekordanzahl von 114 Programmen, 29 davon in der klinischen Entwicklung. Wir haben im Jahr 2016 positive klinische Daten zu einer ganzen Reihe von Programmen veröffentlicht und unsere Finanzprognose für das Geschäftsjahr voll erfüllt. Schließlich haben wir dank der Unterstützung durch unsere Investoren unsere finanzielle Lage weiter gestärkt.

Ganz besonders prägten positive Phase 3-Ergebnisse und die darauffolgende Einreichung eines Zulassungsantrags für Guselkumab durch unseren Partner Janssen das Geschäftsjahr. Die von Janssen veröffentlichten Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten bei der Behandlung von Schuppenflechte sind überzeugend und gehen einher mit einem sehr patientenfreundlichen Dosierungsschema. In unseren Augen ist Guselkumab ein überaus vielversprechender neuer Medikamentenkandidat. Im Falle einer Marktzulassung könnte Guselkumab bereits Ende 2017 als erster MorphoSys-Antikörper überhaupt auf den Markt kommen.

Die Marktzulassung von Guselkumab wäre ein großer Meilenstein in der Geschichte von MorphoSys. Nicht nur wäre dies die bestmögliche Validierung unserer firmeneigenen Antikörpertechnologie. Es wäre auch ein Wendepunkt von MorphoSys auf dem Weg zu einem produktbasierten Unternehmen. Das soll sich künftig auch in unserer Gewinn-und-Verlust- Rechnung zeigen, die zunehmend auf Umsatzerlösen aus Produktverkäufen basieren wird.

Wir verfolgen weiter die Strategie, unser firmeneigenes Portfolio aus vielversprechenden Programmen in therapeutischen Bereichen mit hohem medizinischen Bedarf voranzubringen. Die Schwerpunkte liegen in der Krebsmedizin und auf entzündlichen Erkrankungen, und es ist unser Ziel, unsere Produkte in ausgewählten Märkten zukünftig selbst zu vermarkten. Ende 2016 konnten wir dank der Unterstützung bestehender und neuer Aktionäre eine Kapitalerhöhung mit Einnahmen von 115 Millionen Euro durchführen. Damit sind wir in der Lage, unsere Strategie erfolgreich umzusetzen.

Das Segment Proprietary Development umfasst unsere wichtigsten Werttreiber. Wir haben unser firmeneigenes Entwicklungsportfolio im Berichtsjahr erfolgreich verbreitert und können uns über bedeutende Fortschritte freuen:

Wir haben drei Phase 2-Studien mit unserem am weitesten fortgeschrittenen Kandidaten MOR208 gestartet. MOR208 ist ein gegen das Zielmolekül CD19 gerichteter Antikörper mit einem Fc-verstärkten Wirkmechanismus, der bei Blutkrebspatienten in verschiedenen B-Zell-Erkrankungen eingesetwird. Eine dieser Studien werden wir im Laufe dieses Jahres in eine zulassungsrelevante Phase 3-Studie überführen. Dies würde MOR208 zum ersten firmeneigenen Wirkstoff in der entscheidenden Phase der klinischen Entwicklung machen.

MOR202, unser CD38-Antikörper zur Behandlung des multiplen Myeloms, hat genau das Potenzial gezeigt, das wir von einem Antikörper erwarten, der gegen dieses interessante Zielmolekül gerichtet ist. Wir haben erfreuliche erste Wirksamkeitsdaten in der höchsten Dosierungsstufe von MOR202 in Kombination mit Immunmodulatoren veröffentlicht und konnten das herausragende Sicherheitsprofil bestätigen. Mit großer Spannung erwarten wir für Mitte 2017 weiter fortgeschrittene klinische Daten zu diesem Medikamentenkandidaten.

Gemeinsam mit unserem belgischen Partner Galapagos haben wir MOR106 in die klinische Entwicklung gebracht. Dieser auf Basis unserer Ylanthia-Technologie entstandene Antikörper zielt spezifisch auf IL-17C ab. Dieses Zielmolekül wurde bislang weitgehend außer Acht gelassen, spielt aber eine wichtige Rolle bei entzündlichen Hauterkrankungen und grenzt sich deutlich von anderen Vertretern der IL17-Botenstoffe ab. Wir erproben MOR106 in der Indikation atopische Dermatitis, auch Neurodermitis genannt. Damit zielen wir auf ein therapeutisches Gebiet mit hohem medizinischen Bedarf, in dem bislang noch keine biologischen Wirkstoffe zugelassen sind.

Der Antikörper MOR103/GSK3196165, den wir an unseren Partner GSK auslizenziert haben, schreitet in der klinischen Entwicklung in zwei Indikationen voran. Die Ergebnisse einer klinischen Phase 2b-Studie bei Patienten mit rheumatoider Arthritis erwarten wir in der zweiten Jahreshälfte 2017.

Ende 2016 befanden sich insgesamt fünf Programme aus dem Bereich Proprietary Development in der klinischen Entwicklung. Im Februar 2017 haben wir das Segment weiter ausgebaut: Wir starteten die klinische Entwicklung von MOR107, dem ersten Produkt aus unserer innovativen Lanthipeptid-Plattform.

Das von Guselkumab angeführte Segment Partnered Discovery steht kurz davor, zu einem Tantiemen-basierten Umsatzgenerator für MorphoSys zu werden. Zum Jahresende 2016 entwickelten unsere Pharmapartner insgesamt 100 auf MorphoSys-Technologien basierende Antikörper, 24 davon in klinischen Studien. Wir sehen enormes langfristiges Wertpotenzial in diesem diversifizierten Portfolio.

Ein weiterer Meilenstein in diesem Segment war Anfang 2016 der Beginn einer Phase 2-Studie mit Anetumab Ravtansine, einem Antikörperkonjugat auf Basis unserer HuCAL-Plattform. Unser Partner Bayer entwickelt diesen Wirkstoff in der Indikation Mesotheliom, einer seltenen Krebserkrankung mit hohem medizinischen Bedarf. Laut Bayer kann diese Studie, deren Ergebnisse 2017 vorliegen sollten, möglicherweise bereits einen Zulassungsantrag unterstützen. Wir sind überaus stolz auf die zahlreichen langjährigen Kooperationen mit unseren Partnern und freuen uns auf weitere Fortschritte mit MorphoSys-Antikörpern in diesem Segment.

Im Jahr 2017, dem Jahr unseres 25-jährigen Bestehens, befindet sich MorphoSys in einer spannenden Phase seiner Unternehmensentwicklung. In den vergangenen Jahren hat sich das Unternehmen erfolgreich von einem bei therapeutischen Antikörpern führenden Technologieanbieter zu einem Medikamentenentwickler mit einer überaus vielversprechenden klinischen Pipeline gewandelt. Jetzt sind wir auf dem Weg zur nächsten Entwicklungsstufe, einem kommerziellen, produktbasierten biopharmazeutischen Unternehmen. Das Potenzial unserer Partnerpipeline zur Generierung von Umsätzen wird immer deutlicher. Unsere firmeneigenen Onkologieprogramme kommen in die entscheidenden Phasen der klinischen Entwicklung. Dank unserer finanziellen Stärke und Solidität können wir im bestmöglichen Umfang in die Entwicklung unsere Produkte investieren. Wir sind damit bestens aufgestellt, um substanzielle Werte zum Wohle aller unserer Anspruchsgruppen zu schaffen: unserer Partner, unserer Investoren und nicht zuletzt der Patienten.

Natürlich wäre das alles nicht möglich ohne das Engagement unserer Mitarbeiter. Daher möchte ich mich im Namen des Vorstands von MorphoSys und allen Stakeholdern ganz herzlich bei ihnen für ihre anhaltenden Bemühungen und ihre harte Arbeit bedanken. Unser Dank gilt auch unseren Aktionären – für ihre bisherige und künftige Unterstützung. Ich freue mich auf ein für MorphoSys sehr erfolgreiches Jahr 2017.

Dr. Simon Moroney
Vorstandsvorsitzender

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